
Herr Feike, im letzten Gespräch mit der HOB haben Sie die Rolle moderner ERP-Systeme für den grünen Wandel der Holzbearbeitung betont. Was hat sich seither getan?
Thomas Feike: Gerade in der Holz- und Möbelbranche hat sich der ERP-Markt dynamisch weiterentwickelt, denn die Systeme werden zunehmend branchenspezifischer und leistungsfähiger. Besonders wichtig: Die Verlagerung in die Cloud bringt mehr Flexibilität und ermöglicht mobilen Zugriff. Ein weiterer Treiber ist Künstliche Intelligenz. Sie optimiert bereits Prozesse, trifft Vorhersagen und greift in Echtzeit auf Daten zu. Zudem rücken Nachhaltigkeit und Transparenz nach vorne. Immer mehr Systeme enthalten Module für CO2-Tracking und ESG-Reporting. Das hilft Unternehmen, ihre Umweltkennzahlen zu erfassen und ihre Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Auch das Thema IoT ist auf dem Vormarsch: Echtzeitdaten aus Maschinen fließen in die Prozesssteuerung, helfen Engpässe zu erkennen und Entscheidungen zu treffen. All das macht ERP zu einem strategischen Steuerinstrument – nicht nur um Prozesse abzubilden, sondern um sie aktiv zu gestalten. Wir sehen diese Entwicklungen als Chance. Auch wenn wir an manchen Stellen noch tüfteln, verfolgen wir diese Trends und planen erste Anwendungen in kommenden Releases. Gleichzeitig darf man die Marktlage der Holzindustrie nicht ausblenden. Hohe Rohstoffpreise, instabile Lieferketten und schwächelnde Nachfrage treffen viele Betriebe spürbar. Doch es gibt auch positive Signale, der Holzbau zieht z.B. wieder an. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von moderatem Wachstum und Unsicherheiten bei Energie- und Materialpreisen – aber auch von der Notwendigkeit, grüne Investitionen und digitale Strategien miteinander zu verzahnen. Genau hier wird ERP zum entscheidenden Hebel.
Wo sehen Sie aktuell die größten Potenziale für den Einsatz von ERP-Systemen in der Holzbearbeitungsbranche?
Ein großes Potenzial liegt nach wie vor im Variantenmanagement, und hier kann Vlex seine Stärken besonders ausspielen. Die Holzbearbeitung bringt durch vielfältige Längen und Querschnitte eine Menge möglicher Artikel mit sich. Ohne eine intelligente Variantenlogik müsste für jede Sonderdimension ein eigener Artikel samt Stückliste gepflegt werden. Mit unserer Lösung arbeiten wir hingegen mit einem einzigen Basisartikel, der unzählige Konfigurationsmöglichkeiten abbildet: Statt zehntausender Einzelartikel gibt es eine Maximalstückliste, die alle Varianten umfasst. Für gängige Dimensionen lassen sich Konfigurationen speichern. Das spart Zeit und hält die Datenstruktur schlank. Sonderdimensionen werden dabei automatisch auftragsbezogen verarbeitet, ebenfalls über denselben Basisartikel. Ein weiterer wichtiger Punkt: In der Holzbranche wird häufig paketbezogen gearbeitet. Jedes Paket erhält bei uns eine eindeutige ID und einen Barcode, hinter dem sich sämtliche Konfigurationsinformationen verbergen. Der gesamte Weg eines Pakets vom Wareneingang über Lagerbewegungen bis zur Auslieferung lässt sich in Vlex lückenlos verfolgen. Das verbessert nicht nur die Transparenz, sondern auch die Effizienz im Handling.

Sie haben in unserem letzten Interview die „grüne Transformation durch IT“ erwähnt. Wie genau kann denn ein ERP-System die Nachhaltigkeit in der holzbearbeitenden Industrie fördern?
Die grüne Transformation lebt davon, Prozesse sowohl digital als auch ökologisch neu zu denken. ERP-Systeme helfen, Ressourcen effizienter zu nutzen, und unterstützen Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu messen und systematisch zu erreichen. Gut zeigt sich das etwa bei der Optimierung der Lieferkette: Mit der passenden Datenbasis lassen sich einerseits gezielt nachhaltige Lieferanten auswählen und andererseits Transportwege optimieren. Das wirkt sich auf die CO2-Bilanz aus. Ebenso lässt sich die Produktionsplanung mithilfe integrierter CAD-Systeme so steuern, dass weniger Verschnitt und Abfall entstehen. Das spart Material, Energie – und letztlich auch Kosten. Ein weiteres Beispiel ist Kreislaufwirtschaft: ERP-Systeme schaffen die notwendige Transparenz, um Rückführungsprozesse, Wiederverwertung oder Reparaturstrategien gezielt umzusetzen. Die Integration entsprechender Module wird dabei immer wichtiger, etwa für CO2-Tracking oder ESG-Reporting. Letztlich will man ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Effizienz verbinden, und dafür bietet ein ERP-System die technische Grundlage. Der VCMC-HZ spannt Werkstücke seitlich. Sein beidseitiger Anschlag senkt Rüstzeiten und steigert die Leistung. Vier Spannhöhen und die Wahl zwischen Druckluft oder Mechanik garantieren Anwendern maximale Flexibilität. ‣ weiterlesen
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Kommen wir auf die durchgängige vernetzte Prozesskette zu sprechen. Wie wird das Variantenmanagement den wachsenden Anforderungen als Losgröße 1 gerecht?
Die Frage ist, was wir unter „wachsenden Anforderungen“ verstehen. Für uns bedeutet das vor allem: steigender Individualisierungsgrad bei gleichbleibend hoher Effizienz. Hier greift unser Variantenmanagement. Durch die durchgängige Berechnung von Preisen, von Materialeigenschaften, Arbeitsschritten samt Zeiten, Anweisungen und Maschinendaten bis hin zur Produktionsreihenfolge, entsteht eine automatische, regelbasierte Prozesskette. Der manuelle Aufwand in der Auftragsabwicklung geht damit gegen null – und das selbst bei Losgröße 1.

Die Integration von Drittanwendungen ist eine der Stärken von VlexPlus. Gibt es hier neue Schnittstellen oder Partnerschaften?
Wir haben derzeit keine neuen Partnerschaften im Bereich Drittanwendungen hinzubekommen, Engomo ist aber weiterhin bewährt und im Einsatz. Allerdings haben wir unsere Schnittstellen im Bereich MES, Tourenplanung und EDI verbessert und erweitert. Ein Ziel dabei: die Steuerung der Datenbereitstellung von der Definition des Datenaustauschs entkoppeln. Das beschleunigt die Integration von Drittanwendungen und macht sie flexibler und einfacher. Und das ist ein wichtiger Vorteil für unsere Kunden in der Holzindustrie, die oft mit verschiedenen Systemen gleichzeitig arbeiten.
Die zunehmende Digitalisierung verlangt auch, dass sich alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette stärker vernetzen. Wie erleichtert VlexPlus das?
VlexPlus ermöglicht den Datenaustausch sowie die Durchführung von Systemaktionen per Webservice – und zwar mit nahezu allen Stamm- und Bewegungsdaten. Darüber hinaus können externe Schritte direkt in die Prozessdefinitionen im Workflow-Management integriert werden. So wird eine durchgängige Vernetzung aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette einfach und effektiv umgesetzt.

Die Menge der zu verwaltenden Daten in der Holzbearbeitung wächst stetig. Wie unterstützt VlexPlus die Betriebe dabei, die Datenqualität zu sichern und die Produktivität zu steigern?
Von KI und maschinellem Lernen sind wir aktuell noch weit entfernt. Für wiederkehrende Aufgaben setzt z.B. unser Kunde Ladenburger auf einen Robotic-Process-Automation-Ansatz der Firma Rewion. Wir arbeiten eng mit dem Entwickler zusammen, um den RPA bestmöglich an VlexPlus anzubinden – und zwar ausschließlich mit den Standard-Bordmitteln der vorhandenen Webservice-Schnittstellen. Eine aufwändige Programmierung ist dafür nicht nötig.
Anfang des Jahres wurde die IMM 2025 abgesagt. Möbel sind ein wichtiges Endprodukt unserer Branche, und diese Absage spiegelt die Konjunktur des letzten Jahres wider. Ihre persönliche Meinung: Kann Software dabei helfen, den Aufschwung sicherzustellen?
Ja, auf jeden Fall. Eine moderne ERP-Software verbunden mit Künstlicher Intelligenz kann eine entscheidende Rolle spielen, um in konjunkturell schwachen Zeiten den Aufschwung abzusichern oder sogar zu beschleunigen. Gerade in der Möbel- und Einrichtungsbranche, die von komplexen Lieferketten, volatiler Nachfrage und hohem Preisdruck geprägt ist, bieten digitale Technologien strategische Vorteile. Unternehmen sollten sich jetzt digital aufstellen, um bei steigender Nachfrage schnell reagieren zu können. Konkret hilft KI z.B. bei besseren Nachfrageprognosen durch frühzeitige Erkennung von Markttrends, optimiert Lieferketten durch automatische Engpassanalyse und alternative Lieferantenvorschläge, passt Preise dynamisch an Nachfrage und Wettbewerb an, plant Produktion effizient und bindet Kundenfeedback zielgerichtet in die Produktentwicklung ein. Zusätzlich fungiert sie als Frühwarnsystem für Risiken wie Rohstoffengpässe oder Nachfragerückgänge.















