„Wir digitalisieren den gesamten Prozess“

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Mit einem Klick zum Ziel: Homag Intelligence verknüpft Verkauf, Konfiguration und Produktion von Möbeln auf einer Plattform. – Bild: Homag GmbH

Was war der Anlass für Homag Intelligence?

Hendrik Albers: Die Plattform ist das Ergebnis mehrjähriger Entwicklung, unter anderem mit der TH Rosenheim. Wir haben den Markt beobachtet, Kunden befragt und Trends analysiert. Erste Ansätze haben wir 2019 auf der Ligna vorgestellt: durchgängige Prozesse für Maschinen und Software. In diesem Jahr kamen in Hannover vertikale Prozesse dazu – vom Verkauf über die Konfiguration und das Auftragsmanagement bis hin zur Produktion. Damit setzen wir unsere Digitalstrategie vollständig um.

Welche Probleme löst die Plattform konkret?

Albers: Homag Intelligence verbindet Verkauf, Konfiguration und Produktion auf einer modularen, digitalen Plattform. Ein Beispiel: Ein Möbelproduzent oder Händler will seine Produkte online zeigen. Bisher musste er dieselben Daten mehrfach eingeben, jeweils für Verkauf, Konstruktion und Arbeitsvorbereitung. Jetzt pflegt er alles zentral. Das spart Zeit und verringert Fehler.

Alexander Lindner: Unter anderem bei der Konstruktion der Möbel haben wir häufige Schmerzpunkte bei unseren Kunden erkannt: unnötige Wiederholungen, aufwändige Arbeiten, unklare Abläufe. Unsere Lösung dafür sind Konstruktions-Bibliotheken: Vorbereitete Bausteine, die ständig gepflegt und aktualisiert werden. Nutzer können auch eigene Konstruktionen anlegen. Neue Möbeltrends rollen wir zentral aus, ohne dabei individuelle Einstellungen des Kunden in seiner Bibliothek zu beeinflussen.

Wie arbeiten Nutzer mit diesen Bibliotheken?

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Hendrik Albers, Produktmanager Digitale Produkte – Bild: Homag GmbH

Albers: Erstens können sie Konstruktionen und Produkte grafisch und regelbasiert anlegen. So entstehen fehlerfreie Ergebnisse, die direkt in die Fertigung übergehen. Zweitens lassen sich die Bibliotheken über Grundeinstellungen anpassen, etwa bei Details wie genuteten oder gefälzten Rückwänden.

Für wen ist die Plattform gedacht?

Lindner: Für Betriebe jeder Größe, von Handwerk bis Industrie. Kleine Betriebe können mit einem Modul wie der Zuschnitt-Optimierung IntelliDivide starten. Größere Betriebe können gleich mehrere Module nutzen. Es bleibt dieselbe Plattform, nur im jeweils passenden Umfang.

Was braucht der Nutzer darüber hinaus?

Lindner: Grundsätzlich richtet sich das nach der Art des Produkts. Im Bereich der Konfiguration können wir mit der Plattform den gesamten Prozess abdecken. Wenn Kunden aufgrund ihres Angebots an den Endkunden jedes ihrer Angebote neu konstruieren, können die dadurch generierten Aufträge aus verschiedenen Systemen in die Plattform geladen und mit Lösungen für die Produktion verarbeitet werden.

Wie sieht dieser Prozess konkret aus?

Albers: Nehmen wir B2B-Zuschnitt als Beispiel: Der Kunde loggt sich ins Bestellportal ein, konfiguriert Bauteile oder lädt eine Liste hoch und legt sie in den Warenkorb. Der Auftrag geht an den Produzenten, wird geprüft und ins ERP genommen. Die Produktion wird automatisch mit allen benötigten Daten versorgt: Stücklisten, CNC-Daten, Kanteninformationen. Der Betrieb kann die Aufträge bündeln oder einzeln freigeben. Die Teile durchlaufen nacheinander Säge, Kante und CNC – mit voller Transparenz. So weiß der Besteller jederzeit, wo sein Auftrag steht.

Lindner: Alle Anwendungen nutzen dieselben Daten. Und jeder Betrieb kann selbst entscheiden, wo er startet: mit einem Konfigurator, mit der Produktionsverwaltung oder an anderer Stelle. Mithilfe der Modularität stellt er sich die Plattform nach Bedarf zusammen.

Wie funktioniert die zentrale Datenverwaltung?

Albers: Materialdaten z.B. müssen in jedem Schritt verfügbar sein – vom Verkauf bis zur Fertigung. Bei Homag Intelligence liegen sie zentral im Materialstamm. Alle Systeme greifen darauf zu, auch ERP-Systeme über offene Schnittstellen. Das gilt ebenso für Auftragsdaten.

Wie sicher ist das alles?

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Alexander Lindner, Senior Manager Software Sales – Bild: Homag GmbH

Albers: Die Plattform läuft als Software as a Service bei führenden Cloud-Anbietern mit hohen Sicherheitsstandards. Wir wiederum sorgen für den sicheren Zugang und für regelmäßige Updates. Wer dagegen selbst Software und Hardware pflegt und wartet, trägt höhere Kosten und Risiken.

Wie gelingt der Einstieg?

Lindner: Schon mit einem Modul wie der Zuschnitt- und Nesting-Optimierung IntelliDivide ist der Nutzer Teil der Plattform. Wir begleiten den Einstieg, liefern Dokumentationen und Tutorials. Die Software ist außerdem nutzerfreundlich gestaltet: Einstellungen sind immer an derselben Stelle, sodass sich Nutzer schnell zurechtfinden. Bei größeren Projekten erarbeiten wir die passende Lösung mit ihm gemeinsam.

Gibt es schon Beispiele aus der Praxis?

Lindner: Zwar war der Launch erst im Mai, aber viele Module sind schon seit Jahren im Einsatz. Ein Beispiel ist der ProductionManager. Bei Konfiguration und Auftragsverwaltung arbeiten wir derzeit mitNutzern unter anderem an Lösungen für das Segment Cut2Size. Auf der Ligna war das Interesse groß. Genau das erwarten wir für ein frisch gestartetes Produkt.

Albers: IntelliDivide ist ein weiteres Beispiel. Diese Zuschnitt-Optimierung gibt es seit Jahren. Nun ist sie Teil von Homag Intelligence, ebenso wie die Materialverwaltung dahinter.

Wie war das Feedback auf der Ligna?

Lindner: Durchweg positiv – und zwar von der Industrie genauso wie vom Mittelstand und dem Handwerk. Viele bestätigten uns, dass wir den Nerv der Zeit getroffen haben. Materialverwaltung und Datenorganisation sind für alle ein großes Thema. Mit den Bibliotheken können Nutzer sofort loslegen.

Albers: Zugegeben, das Thema ist komplex. Aber wir konnten es klar und verständlich vorstellen. Vor allem die Live-Demos kamen bei den Besuchern gut an.

Wie geht es weiter?

Albers: Unsere Produktionslösungen entwickeln wir kontinuierlich weiter. Dazu bündeln wir Apps und Assistenten in einem Paket. Erste Pilotkunden sind schon dabei, und ihr Feedback fließt in den Ausbau ein. Gleichzeitig ist die Lösung schon heute einsatzbereit.

Lindner: Ein wichtiges Thema wird die flexible Fertigungssteuerung. Die Cloud-Basis erlaubt uns, ständig neue Konzepte und Funktionen zu entwickeln. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen Partnern und Herstellern werden wir ausbauen.

Und was ist mit Künstlicher Intelligenz?

Lindner: KI braucht saubere Daten. Genau das liefert unser Datenstamm. Erste KI-Funktionen sind bereits eingebaut, etwa in der Optimierung. Mit der Cloud-Basis können wir in den nächsten Jahren mehr Anwendungen einpflegen. Unser Ziel ist aber nicht, alles auf KI auszurichten, sondern nur da, wo sie nützt.

Albers: KI ist für uns ein Werkzeug, und das gilt es mit sinnvollen Anwendungen zu füttern und zu nutzen. Wir haben einige erste Use Cases vorbereitet, die wir in den nächsten Jahren einführen werden.

Zum Abschluss: Gibt es noch etwas zu ergänzen?

Lindner: Natürlich sind auch unsere Maschinen Bestandteil der Plattform. Bereits bei Auslieferung sind sie in der Lage, sich mit der Plattform zu verknüpfen und damit von den Mehrwerten zu profitieren, die sich durch eine zentralisierte Material- und Datenverwaltung ergeben. Sie sind also ein Glied des Gesamtprozesses.

Albers: Das gilt auch für Maschinen anderer Hersteller. Mit unseren ist es jedoch dank Plug&Play ein bisschen einfacher. Und die Konstruktions-Bibliotheken beschleunigen den Start: Vorlage wählen, anpassen, loslegen. Von der Konfiguration bis zur Produktion ist es dann nur noch ein kurzer Weg. So rechnet sich die Investition schnell.