
Was ist gerade das größte Problem im Holzbau?
Carsten Hildbrand: Wir nahmen lange an, es fehlt an Fachkräften. Aber tatsächlich kreisen die Gedanken um Qualität und Effizienz. Wer im Wettbewerb bestehen will, muss hier mithalten. Entscheidend ist letztlich, was der Kunde sieht – und das sind Qualität und Preis. Das hat Frau Uhl in ihrem Masterstudium mit einem Projekt herausgefunden. Mit dem Ergebnis: Der eigentliche Engpass ist nicht die Arbeitskraft, sondern das Fachwissen.
Wie wirkt sich das auf die Arbeit in der Werkstatt aus?
Hildbrand: Die Fertigung im Holzbau besteht aus verschiedenen Schritten, und jeder Schritt baut auf dem vorigen auf. Fehlt bei einem das Fachwissen, steht alles still. Betriebe müssen also jede Stelle passend besetzen. Arbeiter gibt es dafür genug – es fehlen die Fachkräfte. Und an ihnen hängt die Qualität. Prozesssicherheit lautet das Stichwort. Das gilt auch für unsere Befestigungswerkzeuge.
Was passiert, wenn ein Werkzeug plötzlich ausfällt?
Hildbrand: Sagen wir, ein Gerät fällt aus, die Produktion steht still. Wenn ein Ersatzteil vorrätig ist, braucht es jemanden, der es richtig einbauen kann. Fehlt beides, wird es kritisch. Genau hier setzt die Idee hinter BeAcademy an. Denn aus Frau Uhls Projekt ging hervor: Viele Betriebe wollen eigenständig reparieren. Dafür brauchen sie außer Ersatzteilen auch Wissen und Werkzeuge.
War das der Auslöser für die BeAcademy?
Hildbrand: Ja, das war einer der Impulse. Für einen Auftrag in Südkorea haben wir 500 Autotec-Geräte geliefert. Bei dieser Stückzahl ist es absehbar, dass einzelne Geräte ausfallen. Wie können wir dennoch Prozesssicherheit bieten? Ganz einfach: Wir bilden den Kunden aus, Wartung und Reparaturen selbst durchzuführen. Dafür braucht er einen Arbeitsplatz, Anleitungen und Schulungen – möglichst sprachenunabhängig. Daraus ist die BeAcademy entstanden. Und damit Video-Tutorials mit Erklärungen, die jeden Montageschritt nachvollziehbar machen.

Und die versteht jeder?
Hildbrand: Ja. Bei unserem zweiten Besuch in Südkorea haben wir die Plattform vorgestellt. Die gesamte Mannschaft war anwesend. Nach der Präsentation sind alle aufgestanden und haben geklatscht. Diese Rückmeldung hat uns bestätigt: Die Inhalte sind verständlich, auch ohne Sprachkenntnisse. Damit schaffen wir eine Grundlage für Prozesssicherheit.
Wie viel Wissen setzt das bei den Mitarbeitern voraus?
Leonie Uhl: Die BeAcademy setzt bewusst an, bevor ein Problem entsteht. Die Plattform enthält nicht nur Reparatur-, sondern auch Funktionsanleitungen. So lernen Nutzer z.B., wie Druckluftsysteme funktionieren. Vorwissen ist also nicht nötig. Wer sich Schritt für Schritt durch die Inhalte klickt, versteht Aufbau, Funktion und Einsatz der Geräte.
Sie sagen, in Südkorea gab es Beifall. Aber sind die Ausfallzeiten gesunken?
Hildbrand: Ja, und zwar spürbar. Die Produktionslinie war bereits in Betrieb, als der Kunde auf Autotec-Geräte umstieg. Das Team musste also umdenken – neue Technik, neue Abläufe. Weil die Geräte jetzt einheitlich sind, konnten sie sich schnell einarbeiten. Mittlerweile sind dank BeAcademy alle Abläufe klar. Zusätzlich sind wir remote erreichbar: Bei Bedarf kann sich unser Support auf den Arbeitsplatz zuschalten und unterstützen. Der VCMC-HZ spannt Werkstücke seitlich. Sein beidseitiger Anschlag senkt Rüstzeiten und steigert die Leistung. Vier Spannhöhen und die Wahl zwischen Druckluft oder Mechanik garantieren Anwendern maximale Flexibilität. ‣ weiterlesen
Mehr Platz auf Konsolentischen
Frau Uhl, Sie sagen, die BeAcademy setzt früh an und erklärt die Grundlagen der Technik. Wie funktioniert das Schritt für Schritt?
Uhl: Die Unterstützung beginnt bei der Auslieferung der Geräte. Klassischerweise erhält der Kunde technische Unterlagen – und die landen ungelesen in der Schublade. Später tauchen Fragen auf. Daher enthält die BeAcademy Informationen zu ganz einfachen Dingen: Gerätetyp, Funktion, Aufbau und Integration. Hinzu kommen Ersatzteillisten, technische Zeichnungen, Wartungsintervalle und Pflegehinweise. Schritt für Schritt führen wir den Nutzer so durch das Gerät. Die Videos zeigen, wie er Bauteile erkennt, austauscht und eigenständig wartet oder repariert.
Und die Plattform ist mit einer Werkbank verknüpft, mit allen Werkzeugen für die Reparatur?
Uhl: Richtig. Die BeAcademy lässt sich allein oder mit optionaler Werkbank nutzen. Sie ist mit nummerierten Werkzeugen ausgestattet, die auf die Wartung und die Reparatur der Autotec-Geräte abgestimmt sind. In den Video-Anleitungen sind die passenden Werkzeuge eingeblendet. So muss der Nutzer nicht lange suchen. Alles ist standardisiert und gleich aufgebaut.

Wie hoch ist das Risiko, dass trotz Plattform und Werkbank etwas schiefläuft?
Uhl: Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich. Wir können nicht garantieren, dass der Nutzer jede Anleitung vollständig liest oder jedes Video ganz sieht. Manche überspringen Abschnitte oder glauben, die Schritte bereits zu kennen. Dafür ist unser Support-Team jederzeit erreichbar.
Hildbrand: Deshalb vermittelt die BeAcademy auch technisches Grundwissen, etwa zur Druckluftversorgung. Wie hoch muss der Druck sein? Wie viele Geräte arbeiten an der Anlage? Gibt es einen Puffer? Das ist wie beim Aufbau eines Möbelstücks: Wir denken, wir schaffen es ohne Anleitung. Dann geht die Schublade plötzlich nach hinten auf statt nach vorne. Mit standardisierten Abläufen beugen wir dem in der Fertigung vor.
Wie bekommen Kunden Zugang zur BeAcademy?
Uhl: Die Kunden können sich den Zugang auf die Plattform über ein Abo sichern. Umfang und Inhalt bestimmt der Kunde. Beim Kauf eines Geräts erhalten sie automatisch Zugang, entweder mit dem Link oder mit einem QR-Code. Die Plattform ist für mobile Endgeräte gedacht. Sie lässt sich also überall nutzen, wo Internet verfügbar ist. Dabei sieht jeder Kunde nur die Inhalte, die zu seinen Geräten passen. So vermeiden wir eine Informationsflut.
Welche Reparaturen können sie mit der Plattform nicht vornehmen?
Hildbrand: Für jedes Gerät liegen alle Daten vor. Mit ihnen können Kunden die Geräte vollständig warten und reparieren. Manchmal bleibt dennoch ein Restrisiko: Das Gehäuse kann z.B. einen Haarriss haben, weil es einmal heruntergefallen ist. Und wer diesen Schaden übersieht, kann ihn nicht reparieren. In solchen Fällen sind wir als Ansprechpartner da. Von diesen Ausnahmen abgesehen, ist mit der Plattform alles machbar.
Wie weit ist BeA mit dem Launch?
Hildbrand: Wir haben die BeAcademy auf der Ligna vorgestellt, sie ist also ab sofort verfügbar. Gleichzeitig arbeiten wir daran, das Angebot in Nutzungsmodelle zu überführen. Ziel ist es, Flexibilität und Skalierbarkeit zu bieten.
Wie war der Zuspruch auf der Ligna?
Hildbrand: Das Feedback war sehr positiv, das hat unsere Annahmen bestätigt. Ich sehe dafür zwei Gründe. Die BeAcademy konzentriert sich erstens auf das Wesentliche: Nur das Wichtigste, aber so, wie es nötig ist. Zweitens bieten wir viel Transparenz. Damit vermitteln wir Sicherheit – und schaffen wiederum Prozesssicherheit. Das bildet Vertrauen. Auch weil am Ende der Reparatur keine undurchsichtige Rechnung steht.

Sie machen sich sehr transparent. Bereitet Ihnen das Sorgen?
Hildbrand: Natürlich geben wir mit BeAcademy viele Informationen preis, das ist uns bewusst. Aber die Technik unserer Geräte ist kein Geheimnis. Unsere Kunden wollen schließlich keine Geräte nachbauen, sondern ihre Prozesse absichern. Sie wollen Ausfälle vermeiden, nicht unser Knowhow kopieren. Hier ist Transparenz ein Wettbewerbsvorteil.
Wenn ein neues Autotec-Gerät erscheint, drehen Sie gleich das passende Video dazu?
Hildbrand: Genau. Jedes neue Autotec-Gerät wird in die BeAcademy integriert, einschließlich passender Video-Anleitungen. Das ist einer der Vorteile des Abo-Modells: Änderungen bei Ersatzteilen oder Funktionen erscheinen automatisch in der Plattform. Damit sind wir aktueller als jeder gedruckte Katalog.
Welche neuen Features sind geplant?
Hildbrand: Wir arbeiten vor allem an Predictive Maintenance. Kunden wollen genau wissen, wann die nächste Wartung ansteht, welche Geräte betroffen sind und wie sie das konkret umsetzen. Wenn z.B. Gerät Nummer 431 aus Linie Nummer 5 bereits 200.000 Schuss abgegeben hat, wird die Plattform berechnen können, wann ein Eingriff erforderlich sein wird. Ziel ist eine vier- bis sechswöchige Vorschau. Dafür müssen wir technische und regulatorische Vorgaben einhalten. Daran arbeiten wir.
Wie sieht wohl die Zukunft im Holzbau aus?
Hildbrand: Nachhaltigkeit wird immer wichtiger – und sie fächert sich thematisch aus. Früher reichte es, wenn etwas recycelbar war. Heute prüfen wir den Rohstoffabbau, die Herstellung und die Wiederverwendung. Gleichzeitig wandelt sich der Maßstab: Früher sprach man von zwei-, seltener von dreistöckigen Holzbauten. Heute entstehen Projekte mit 80 Metern Höhe und mehr. Solche Großprojekte müssen wirtschaftlich und nachhaltig gelingen.
Fehlen dazu nicht politische Anreize?
Hildbrand: Industrien entwickeln sich nicht allein durch Förderungen, sondern durch Fortschritt. Die Technik muss sich eigenständig durchsetzen. Beim Holzbau sieht man das deutlich: Förderungen können Impulse setzen, aber die Technik muss sich selbst tragen. Das tut sie, wenn der Nutzer Vorteile von ihr hat. Und genau das bietet der moderne Holzbau – und wird sich deshalb auch ohne Subventionen behaupten.















