Grün parken in der Stadt

SEW0297 Ausfahrt perspektivisch
Vertikale Parksysteme reduzieren umweltschädliche Bodenversiegelung. Der erste öffentlich nutzbare VePa-Parkturm Deutschlands steht im Werksviertel am Münchener Ostbahnhof. – Bild: SEW-Eurodrive GmbH & Co KG

Großstädte stehen heute vor vielen Herausforderungen: individueller Personenverkehr, ein hohes Maß an Verbauung und damit einhergehend Bodenversiegelung. Für den nötigen Wohnraum ist immer weniger Platz verfügbar. Oft sind bei Bauprojekten die verpflichtenden PKW-Stellplätze der limitierende Faktor. Erstens fließen sie in die Budgetierung und Genehmigungsplanung ein, zweitens ist der Bau von Tiefgaragen mit hohen Kosten und CO2-Emissionen verbunden. Andererseits liegt E-Mobilität im Trend, doch dafür reicht die Infrastruktur noch nicht aus – es gibt zu wenig Ladepunkte. VePa Vertical Parking will Städte lebenswerter machen. Dafür will das Münchener Startup Parkplätze auf engstem Raum schaffen und so Bodenversiegelung verringern.

Großer Nutzen auf kleiner Fläche

Vertikale Parksysteme können ein Ansatz sein, um städtische Flächen besser zu nutzen. VePa hat darum neuartige Parktürme mit automatisiertem Paternoster-Parksystem entwickelt: als mögliche Lösung für urbanen Platzmangel. Auf 49 Quadratmetern, auf denen sonst drei bis vier Fahrzeuge Platz fänden, entstehen acht, zehn oder zwölf Stellplätze – perspektivisch sogar 16. Diese gut genutzten Flächen ermöglichen es Städten, andernorts Flächen zu entsiegeln. Auch für Neubauten und Nachverdichtungen schaffen die Parktürme in Holz-Hybrid-Bauweise Mehrwert: Projektentwickler können künftig auf Tiefgaragen verzichten und so wirtschaftlicher und nachhaltiger planen.

 Im Inneren des Turms werden die Fahrzeuge auf Plattformen abgestellt, mit Platz für zwölf Fahrzeuge bis zur SUV-Größe.
Im Inneren des Turms werden die Fahrzeuge auf Plattformen abgestellt, mit Platz für zwölf Fahrzeuge bis zur SUV-Größe. – Bild: SEW-Eurodrive GmbH & Co KG

Software steuert Auslastung

Im Frühjahr 2025 eröffnete der erste öffentlichen Parkturm im Münchener Werksviertel, in der Nähe des Ostbahnhofs. Er bietet zwölf Fahrzeugen bis zur Größe eines SUV Platz. Jeder Stellplatz ist mit einer Wallbox zum Laden von Elektrofahrzeugen ausgestattet. Die Nutzung der öffentlichen VePa-Parktürme ist für Kurzzeitparker vorgesehen. Beim Bereitstellen der Stellplätze steuert eine Software die gleichmäßige Auslastung des Paternosters mit unterschiedlich schweren Fahrzeugen. Wer sein Auto abholen will, muss vor dem Tor durchschnittlich weniger als eine Minute warten. Die Steuerung ist so programmiert, dass der PKW stets auf dem kürzesten Weg nach unten gelangt.

Getriebemotor treibt Plattformen an

Neben Bau- und Immobilienfirmen sowie Parkhausbetreibern ist SEW-Eurodrive eine treibende Kraft hinter diesem Projekt. Im wörtlichen Sinn: Ein 30-Kilowatt-Kegelrad-Getriebemotor treibt die Plattformen an. Über eine Antriebskette sorgt er für den Umlauf der Plattformen in beide Richtungen. Die Energieversorgung und Regelung des Motors erfolgt über einen Frequenzumrichter Movidrive System aus dem Automatisierungsbaukasten Movi-C. SEW begleitet VePa bei diesem Projekt von Anfang an – vom Prototyp 2023 über den ersten öffentlichen Parkturm 2025 bis zu künftigen Projekten.

 Ein Frequenzumrichter Movidrive Technology im Schaltschrank regelt den Getriebemotor, beides von SEW-Eurodrive.
Ein Frequenzumrichter Movidrive Technology im Schaltschrank regelt den Getriebemotor, beides von SEW-Eurodrive. – Bild: VePa Vertical Parking GmbH

Nicht nur Entwickler, auch Betreiber

Wegen der modularen Bauweise lässt sich die Parklösung multifunktional erweitern, etwa durch die Integration von Shared- oder Micro-Mobility-Angeboten wie Carsharing. Vertical Parking will das Geschäft auf mehreren Wegen vorantreiben und wirbt um Unterstützung. Dazu zählt der Verkauf der Parktürme. Künftig will das Startup zudem nicht bloß als Entwickler tätig sein, sondern auch als Betreiber. Darum sucht VePa geeignete Flächen für neue Standorte, um weitere Türme selbst aufzubauen und zu betreiben.