
Die deutsche Möbelindustrie hat im ersten Halbjahr 2026 weniger Umsatz erzielt als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz der 374 Mitglieder des Verbands sank von Januar bis Juni um 2,7 Prozent auf rund 7,7 Milliarden Euro. Besonders stark ging das Inlandsgeschäft zurück – um 4,1 Prozent auf rund fünf Milliarden Euro. Die Auslandsumsätze lagen mit 2,7 Milliarden Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Die Exportquote wiederum stieg um einen Prozentpunkt auf 35,2 Prozent.
Entwicklung der Segmente
Bei den einzelnen Bereichen fiel die Entwicklung unterschiedlich aus. Die Küchenmöbelindustrie steigerte ihren Umsatz um ein Prozent auf rund 2,9 Milliarden Euro. Bei Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln sowie Möbelteilen ging der Umsatz dagegen um fünf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zurück. Die Polstermöbelindustrie verzeichnete einen Rückgang um zehn Prozent auf 423 Millionen Euro. Die Matratzenhersteller lagen 5,1 Prozent unter dem Vorjahreswert, während Büro- und Ladenmöbelhersteller einen Umsatzrückgang von 3,5 Prozent verzeichneten.
Mehrere Belastungen gleichzeitig
Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie, bezeichnet den wirtschaftlichen Rahmen als herausfordernd. Einer Umfrage des Verbands zufolge planen 40 Prozent der Unternehmen für das dritte Quartal 2026 Kurzarbeit. Als Belastungen nennt Kurth ein weiterhin schwaches Konsumklima, steigende Material-, Energie- und Lohnkosten sowie bürokratische Anforderungen. Zudem verwies er auf ausbleibende Impulse aus dem Wohnungsbau und einen wachsenden internationalen Wettbewerbsdruck.
Wohnungsbau beeinflusst Nachfrage
Kurth zufolge wirkt sich der stockende Wohnungsbau auf die Nachfrage nach Möbeln aus. Zwar nahm die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 wieder zu. Laut Prognosen soll die Zahl der Fertigstellungen jedoch erneut sinken und unter dem tatsächlichen Bedarf liegen. Weniger Neubauten und Umzügen führten nach Kurth zu einer niedrigen Nachfrage nach Möbeln.
Exportmärkte entwickeln sich unterschiedlich
Auch bei den Exporten zeigten sich im ersten Halbjahr Unterschiede zwischen den Absatzregionen. In Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden stiegen die Lieferungen um 2,6, 2,1 bzw. 0,1 Prozent. Zuwächse gab es außerdem in Belgien, Polen und Spanien. Rückgänge gab es in Österreich, dem Vereinigten Königreich und Italien mit 3,3, 6,5 bzw. 2,6 Prozent. In den Vereinigten Staaten sanken die Ausfuhren aufgrund der US-Zölle um fast 15 Prozent, in China wegen schwacher Nachfrage um 2,1 Prozent.
Import auf hohem Niveau
Die Einfuhren nach Deutschland gingen in den ersten sechs Monaten um 4,3 Prozent zurück. Dennoch stammten rund 60 Prozent der in Deutschland verkauften Möbel in diesem Zeitraum aus dem Ausland. 2019 lag der Importanteil demnach bei 44 Prozent. China und Polen waren weiterhin die größten Lieferländer und verzeichneten Rückgänge von 2,4 bzw. 1,5 Prozent. Zusammen entfielen auf beide Länder 60 Prozent der Möbelimporte.
Verband fordert Anpassungen
Kurth verwies zudem auf die wachsenden regulatorischen Anforderungen auf EU-Ebene. Die Umsetzung der EU-Ökodesign-Verordnung mit dem digitalen Produktpass sowie weitere Vorgaben erfordern dem Verband zufolge personelle und finanzielle Ressourcen. Deshalb fordert die Möbelindustrie praxisgerechte Regeln und ausreichende Übergangsfristen. Hintergrund ist nach Angaben des Verbands das Ziel, Nachhaltigkeitsvorgaben wirtschaftlich umzusetzen.
Ausblick bleibt vorsichtig
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Branche einen Umsatzrückgang von rund drei Prozent. Die Mehrheit der Hersteller rechnet noch nicht mit einer Belebung der Nachfrage über die üblichen Saisoneffekte hinaus. Zugleich bieten die Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen, neuen Vertriebswegen und einer stärkeren internationalen Ausrichtung Perspektiven.
















