Von der Wiege an

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Die Robotersäge Sawteq S-400 FlexTec übernimmt den Zuschnitt vollautomatisch und sorgt für einen effizienten Materialfluss. – Bild: Homag Plattenaufteiltechnik GmbH

1954, im Jahr des Wunders von Bern, gründete Walter Bosch im fränkischen Rühlingstetten seine Möbelschreinerei. Im Laufe der Jahre erweiterte der Handwerksbetrieb sein Angebot und fokussierte sich zunehmend auf den individuellen Innenausbau sowie auf Kompletteinrichtungen von Büros, Verwaltungen und vor allem Banken – weltweit. „Nach der Bankenkrise mussten wir uns neu aufstellen“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer Norbert Bosch. „So kamen Hoteleinrichtungen, Ladenbau und schließlich Industrieteile als drittes Standbein hinzu. Heute beliefern wir Deutschland vom hohen Norden bis in den tiefen Süden.“

Flexibel über Generationen

Bosch weiß um die Bedeutung von Flexibilität – im eigenen Portfolio sowie in der Fertigung. Der Sohn des Firmengründers leitet die Schreinerei in zweiter Generation, und er führt sie traditionsbewusst in die Zukunft: mit Innovationen, kurzen Lieferzeiten und einem hohen Qualitätsstandard im Verbund mit einer modernen Fertigung. Dabei unterstützen ihn knapp 30 großteils langjährige Mitarbeiter – und sein Sohn, der für die Kontinuität in der Firmenführung sorgen soll.

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Neben dem Automatikbetrieb lässt sich die Sawteq S-400 FlexTec auch flexibel im manuellen Bedienermodus nutzen. – Bild: Homag Plattenaufteiltechnik GmbH

Losgröße 1 in vier Stunden

Die Kunden kennen und schätzen das Unternehmen seit Langem und erwarten die entsprechende Qualität und eine rasche Lieferung. „Heute können wir unsere Industriekunden mit Losgröße 1 in vier Stunden beliefern – Echtholzteile, furniert und lackiert. Das hat früher weitaus länger gedauert“, sagt Bosch. Neben der Kompetenz seines Teams spielt dabei die moderne Ausstattung seiner Werkstatt eine wichtige Rolle. Und da sticht ein Hersteller hervor: „Eine unserer ersten Maschinen war eine Kantenanleimmaschine von Homag. Sie hatte die Seriennummer sechs, war also die sechste jemals produzierte Homag-Kantenanleimmaschine.“ Der Betrieb sei von der Wiege an Kunde und mit den Maschinen aus Schopfloch gewachsen. Denn: „Wenn etwas funktioniert und das Ergebnis stimmt, bleibt man dabei.“

Digitalisierung erhält Arbeitsplätze

Neben der Qualität der Produkte eint beide Unternehmen der Wille zur Verbesserung. Bei Bosch waren und sind Digitalisierung und Automatisierung wichtige Faktoren zum Bestehen auf einem umkämpften Markt. Früh habe Bosch gemerkt, dass Digitalisierung Arbeitsplätze erhalten kann. „Wir haben 2014 damit angefangen, 2018 massiv ausgebaut und einen Plan bis 2030 erstellt. Vieles davon haben wir schon 2022/23 erreicht.“ Mit weniger Mitarbeitern leiste der Betrieb heute mehr als in den 1980er-Jahren, der Umsatz wachse jedoch nicht in gleichem Maße mit – zu enorm ist der Preisdruck. „Die Kosten fressen Unternehmen wie unseres auf: Lohnkosten, Lohnnebenkosten, das ganze Drumherum. Das muss eine Firma erst einmal erwirtschaften. Dabei hilft uns die systematische Automatisierung in der Werkstatt.“ Und das wirke sich nicht nur auf die Maschinenleistung selbst aus, sondern auf den gesamten Produktionsfluss.

Fertigungsleitsystem im Mittelstand

Auf die erste Kantenanleimmaschine folgten weitere Maschinen von Homag. Hinzu kamen die entsprechende Software für die Makroprogrammierung, weitere Module und schließlich die umfassende Vernetzung durch eine intelligente Steuerung der Produktion: mit einem Fertigungsleitsystem vom Zuschnitt über die Kante, den CNCs bis hin zur Verpackung und dem Versand. Wichtig ist bei alldem die Logistik hinter dem System. „Wir sind Handwerker, denken aber industriell“, sagt Bosch, „und haben uns daher nicht bloß Maschinen gekauft, sondern eine Produktionskette aufgebaut.“ Das Fertigungsleitsystem regelt die Arbeitsschritte so, dass Materialflüsse, Rückmeldungen und Sortierungen zusammenpassen. „Darin liegt ein Vorteil des digitalen Ansatzes: Die Fertigung wird nicht nur schneller, sondern auch transparenter. So konnten wir die bereits moderne Produktion um noch mehr Flexibilität und Kapazität erweitern.“ Das Unternehmen aus der mittelfränkischen Provinz gehört damit wohl weltweit zu den kleinsten mit einem Fertigungsleitsystem.

Geschäftsführer Norbert Bosch in seiner hochautomatisierten Zuschnittzelle mit der SAWTEQ S-400 flexTec.
Geschäftsführer Norbert Bosch in seiner hochautomatisierten Zuschnittzelle mit der Sawteq S-400 FlexTec. – Bild: Homag Plattenaufteiltechnik GmbH

Maschinen entlasten Mitarbeiter

Bosch legt viel Wert darauf, dass Digitalisierung nicht seine Mitarbeiter ersetzen, sondern körperlich entlasten soll. So übernehmen Maschinen körperlich belastende Aufgaben, und die Fachkräfte können dort anpacken, wo ihre Erfahrung und Kompetenz tatsächlich gefragt ist. Standardisierte Bewegungen, Transporte und Routinen sind damit Sache der Technik. Und das steigert nicht nur die Leistung, sondern auch die Attraktivität des Arbeitsplatzes.

Am 12. Juli 2024 um 15 Uhr

„Früher hatten wir nur eine Säge“, erinnert sich Bosch, „bei Störungen stand alles still.“ 2009 modernisierte der Betrieb zwar das Plattenlager, das lief aber später nur noch provisorisch. Damit sei klar gewesen, dass eine neue Lösung her musste. Vor zwei Jahren war es dann soweit: „Am 12. Juli 2024 fuhren wir zu Homag noch Holzbronn, und um 15 Uhr am selben Tag erteilten wir den mündlichen Auftrag. Das war mit Abstand unser schnellster Maschinenkauf.“ Die Wahl fiel auf eine Kombination der Robotersäge Sawteq S-400 FlexTec mit dem automatisierten Flächenlager Storeteq P-500.

Dreimal schneller als je zuvor

Besonders überzeugte Bosch das Thema Rückverfolgung. Er habe wissen wollen, welches Teil auf welcher Platte liegt, damit Kantenbearbeiten und Sortieren reibungslos funktionieren. Dafür habe man gemeinsam ein System entwickelt. „Jetzt können wir die Platten so gut vorsortieren, dass wir an der Kante doppelt so schnell sind. Mit der Kombination von Säge und Lager schaffen wir insgesamt dreimal so viele Teile wie mit der alten Säge“, sagt er. Denn das Konzept ermöglicht einen automatisierten Materialfluss vom Lager über den Zuschnitt bis zur Weiterverarbeitung – und bildet das Herzstück der modernen Fertigung des Unternehmens.

Bodentiefe Abstapelung: Die neue Lösung für hybride Robotersägen überzeugt durch geringen Platzbedarf, flexible Nutzung und einfache Logistik.
Bodentiefe Abstapelung: Die neue Lösung für hybride Robotersägen überzeugt durch geringen Platzbedarf, flexible Nutzung und einfache Logistik.Bild: Homag Plattenaufteiltechnik GmbH

Automatisierung gegen Kostendruck

Für die Schreinerei Bosch hat sich die Automatisierung als wichtiger Schritt in Richtung Zukunftssicherheit und Prozessoptimierung erwiesen. Und in der Zusammenarbeit mit Homag zeigt das Projekt, wie moderne Ansätze auch im Mittelstand erfolgreich sein können – mit Produktivität, Prozesssicherheit und entlasteten Mitarbeitern durch automatisierte Materialflüsse gegen Kostendruck und Fachkräftemangel.

Eine Investition in die Zukunft

Als Geschäftsführer blickt Bosch weiter nach vorne. Auf die Investitionssumme beschränkt er sich dabei nicht: „Ich vergleiche den hohen Anschaffungspreis gerne mit dem Kauf eines Autos“, sagt er. „Der Kaufpreis schmerzt, aber beim Fahren, an der Tankstelle oder beim Service merkt man täglich den Unterschied. Genau so ist es bei Maschinen. Wer günstiger werden will, muss schneller und besser werden. Anders geht es in Deutschland nicht.“ Auf die Frage, ob die neue Anlage seine Erwartungen erfüllt hat, gibt er darum eine kurze und bündige Antwort: „Voll erfüllt.“