
Von schweren Bahnschwellen bis zu gewöhnlichen Holzabfällen: Meinhardt Holzwerk hat im Bereich Altholzaufbereitung schon fast alles weiterverarbeitet. Täglich rollen Lastwagen mit Holzfraktionen auf das Gelände in Mainz-Wiesenau. Ob vergleichsweise sauberes Konstruktionsholz oder stark belastete Fraktionen mit Lacken, Beschichtungen und Fremdmaterialien – was ankommt, wird sortiert, zerkleinert und je nach Güteklasse für die Verwertung in der Spanplattenindustrie aufbereitet oder als Brennstoff an Kraftwerke geliefert. Für die ist Meinhardt exklusiver Lieferant.
Aus 15 Jahren alt mach neu
2018 als Tochter der Meinhardt Städtereinigung gegründet, bündelt das Unternehmen die Holzaktivitäten der Gruppe an zwei Standorten. In Bischofsheim und Mainz-Wiesenau nimmt man neben Holzabfällen auch Ersatzbrennstoffe und Metallschrott an und bereitet alles auf. Allein die Holzabfälle kommen insgesamt auf rund 200.000 Tonnen im Jahr. Das Unternehmen ist Teil der Meinhardt-Gruppe, einem Entsorgungsunternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitern an 17 Standorten in der Rhein-Main-Region. Diese Bandbreite macht die Aufbereitung anspruchsvoll – und sie erklärt, warum die Anlage in Mainz-Wiesenau im Zuge eines Umbaus erneuert werden musste. Denn sie war rund 15 Jahre alt und lieferte nicht mehr den Qualitätsvorgaben der Abnehmer. Einzelne Komponenten ersetzen kam nicht infrage, weshalb man die gesamte Anlage im Kern neu aufbaute. Das bot zugleich die Gelegenheit, den Prozess grundlegend neu auszulegen.
Keine Hydraulik, weniger Feinanteil
In der bisherigen Linie arbeitete in der Nachzerkleinerung eine Hammermühle mit hohem Energieverbauch. „Bei unserer Planung war Energieeffizienz kein Nice-to-have, sondern ein Ziel“, erklärt Meinhardt-Geschäftsführer Dennis Göttert. „Wir wollten weg von hydraulischen Ansätzen, um weniger Verluste beim Umwandeln zu machen und um weniger Strom zu verbrauchen.“ Ein weiterer Anspruch ergab sich aus dem Material selbst: Altholz ist oft trocken und staubanfällig. Ein hoher Feinanteil kann spätere Prozesse beeinträchtigen, etwa wenn das Material in Kraftwerken zum Einsatz kommt. Entsprechend galt es, die gewünschte Körnung zuverlässig zu erreichen und zugleich den Feinanteil zu begrenzen.
Zerkleinerungslinie für Qualität
Bei der neuen Altholzaufbereitung ging es für Meinhardt um eine Zerkleinerungslinie, die dauerhaft Qualität liefert und sich in die Gesamtanlage fügt. Mit dem Westerwälder Maschinenbauer Vecoplan verbindet die Gruppe eine langjährige Zusammenarbeit: Seit Jahren sind Zerkleinerer des Herstellers im Einsatz, und am Standort Mainz-Wiesenau hatte Vecoplan bereits früher eine Ersatzbrennstoff-Aufbereitungsanlage schlüsselfertig umgesetzt. Da lag es nahe, Vecoplan auch für den Umbau der Holzlinie anzufragen. „Wenn ein Kunde seit Jahren auf unsere Technik setzt, kennen wir seine Ansprüche und Prozesse“, sagt Florian Greb, Area Sales Manager bei Vecoplan. „Für ein Projekt dieser Größe ist das eine gute Basis.“
Volles Drehmoment von Anfang an
Das Herzstück der Anlage ist eine zweistufige Zerkleinerung. Der VRZ 2500 übernimmt die Vorzerkleinerung und erledigt viele Arbeiten bereits am Anfang, was die nachgelagerten Aggregate entlastet und die Linie stabil hält. Für die Auslegung war dabei die Leistungsanforderung wichtig. So sollte der Vorzerkleinerer im Sommer mindestens 60 Tonnen Durchsatz erzielen. Die Nachzerkleinerung erfolgt im zweiten Schritt durch einen VEZ 3200. Diese Maschine ist mit zwei HiTorc-Direktantrieben ausgestattet, wie auch der VRZ 2500: nahezu wartungsfrei und unempfindlich gegenüber Störstoffen, ohne Hydraulik und ohne klassische Kraftübertragungselemente wie Getriebe, Kupplungen oder Riemen. Der Antrieb liefert sein volles Drehmoment ab der ersten Umdrehung und stoppt auf Wunsch sekundenschnell. So arbeitet er zuverlässig auch bei schwerem Material.

Spangröße unter 150 Millimeter
Das entscheidende Aggregat im Prozess ist der VEZ 3200: Er definiert das Endkorn. Material mit der bereits passenden Körnung separiert die vorgelagerte Siebtechnik und leitet es in den Endkornstrom. Das entlastet den VEZ 3200 und beugt Verschleiß vor. Für die Anlage galt die Vorgabe, dass die Spangröße nach der Nachzerkleinerung unter 150 Millimetern liegen soll. Damit das praktisch funktioniert, mussten die Schnittstellen im Projekt klar definiert sein. Im Zuge des Umbaus erneuerte man auch Fördertechnik und Stahlbau. Die Projektleiter der beteiligten Unternehmen stimmten sich eng zu Zeichnungen und Einbauten ab. So gelang eine reibungslose Integration der Technik in die Planung.
Stromverbrauch um Hälfte verringert
Seit Ende September läuft die neue Linie in Mainz-Wiesenau, seither hat sie rund 60.000 Tonnen Altholz verarbeitet. Genug für ein erstes Fazit: Verglichen mit der alten Anlage, verbraucht die neue nur halb so viel Strom. Meinhardt führt das auf die Zerkleinerungstechnik zurück. Hinzu kommt ein Effekt aus dem laufenden Betrieb: Der VEZ 3200 zerkleinert das Material schonend, ohne es zu vermahlen. Dadurch fällt der Feinanteil im Endprodukt niedrig aus – wichtig für die Kraftwerke, die das aufbereitete Holz als Brennstoff einsetzen. „Das ist ein Qualitätsmerkmal, das unsere Abnehmer schätzen“, sagt Göttert.
Ein Messerwechsel in einem Jahr
Auch der Wartungsaufwand ist jetzt überschaubarer: Bei der früheren Hammermühle musste Meinhardt die Schlegel alle vier bis sechs Wochen austauschen. Bei der neuen Anlage hingegen war bislang erst einmal ein Messerwechsel nötig. Das senkt die laufenden Betriebskosten. Für Göttert war die Zusammenarbeit mit Vecoplan ein weiterer Pluspunkt. „Die Integration lief reibungslos und die Abstimmung auf Augenhöhe“, sagt er. „Bei einer vergleichbaren Aufgabe würden wir denselben Weg wieder gehen.“
Anbindung an Remote-Echtzeitdaten
Der nächste gemeinsame Schritt steht bereits fest: die Anlage an das Vecoplan Smart Center anbinden. Darüber ermöglicht Vecoplan seinen Kunden einen Remotezugriff auf Echtzeitdaten der Maschine. So können sie Betriebszustände aus der Ferne überwachen und bei Störungen rasch eingreifen. Für Vecoplan ist das Projekt bei Meinhardt ein Beispiel für konkrete Ergebnisse in langjährigen Beziehungen. „Wenn eine Anlage nach wenigen Monaten bereits so klare Ergebnisse liefert, ist das eine schöne Bestätigung für beide Seiten“, schließt Greb.
















