
Mehrmals täglich mussten die Mitarbeiter des Bodenplattenherstellers Nora Systems bis 150 zählen. Das ist deshalb beeindruckend, weil es sich bei den gezählten Gegenständen um Bodenplatten zwischen 2,7 und neun Millimetern handelt. 150 solcher Platten sollten auf einem Stapel liegen. Abweichungen müssen die Mitarbeiter deklarieren, andernfalls kommt es in der weiteren Verarbeitung zu Problemen, etwa im Lagermanagement. Dass es in Zeiten von Digitalisierung noch nötig ist, Stückzahlen händisch zu kontrollieren, scheint absurd. Aber: Veränderungen an Plattenstapeln werden selten zuverlässig erfasst, weder bei der automatischen Stapelung noch während der Qualitätskontrolle. Bisher war deshalb auch bei Nora der Mensch die nötige letzte Kontrolle – dank seines Tastsinns.
Kaum technisches Zubehör nötig
Eine zeitsparende und digitale Lösung entwickelte das Ingenieurbüro Andreas Schlipf mit dem Bildauswertungssystem ASCO Vision. Diese intelligente Software kann sowohl schnell und verlässlich die korrekte Anzahl von Platten ermitteln, als auch individuell auf die verschiedenen Beschaffenheiten dieser Platten reagieren. Bei Nora war das eine wichtige Voraussetzung: In Weinheim stellt das Unternehmen Bodenplatten mit verschiedensten Farben, Oberflächen und Stärken her. Um mit ASCO Vision zählen zu können, ist nicht viel technisches Zubehör nötig: eine Industriekamera mit Ethernet-Kabel und eine einfache Stableuchte reichen aus. Alles andere erledigt die Software.
Sekundenschnell Bilder analysiert
Bevor Nora die Stapel an die Kunden verschickt, fahren die Platten per Fördertechnik durch die Verpackungsstation. Hier steht die Industriekamera: Bevor der Stapel verpackt wird, löst diese Kamera per Signal aus der SPS ein Bild aus. Aus dem Prozessleitsystem ruft die Software dann alle wichtigen Informationen zum aufgestapelten Produkt ab. Diese Informationen wiederum fließen in den Analyseprozess der Software ein. In Millisekunden analysiert sie mehrere Bildausschnitte mit verschiedenen Verfahren. Die ermittelte Plattenanzahl sieht der Produktionsmitarbeiter schließlich über eine Visualisierung in der Verpackungsstation.
Bis zu 99,9 Prozent zuverlässig
Der Prototyp der Software wurde ursprünglich für Holzwerkstoffplatten entwickelt, deren Stärke über drei Millimetern liegt. Für die Dünnplatten erweiterte das Ingenieurbüro Schlipf darum die Funktionen von ASCO Vision: Hinzu kamen ein mehrstufiges Analyseverfahren, das verschiedene Bildausschnitte erfasst, sowie eine feinere Berücksichtigung plattenspezifischer Eigenschaften. So kann die Software auch Bilder auswerten, die nicht hundertprozentig den Anforderungen entsprechen. Mit diesem Update verspricht das Ingenieurbüro 99,9 Prozent verlässliche Ergebnisse. Das überzeugt auch Nora: „Mit ASCO Vision konnten wir unsere Arbeit grundlegend verbessern“, sagt Semih Wühler, Betriebsingenieur Elektrotechnik beim Unternehmen. „Was früher Zeit und Ressourcen kostete, übernimmt heute ein zuverlässiger digitaler Ansatz. So gewinnen wir Zeit und steigern unsere Produktivität.“ Das Projekt wurde in diesem Jahr außerdem als besondere Innovation mit dem BFSZ Siegel für Forschung und Entwicklung ausgezeichnet.

















