
Tischkicker, Billard, Showroom, Arbeits-, Gemeinschafts- und Kochflächen, in knalligen Farben in einem modernen Gebäude: Sofort ist klar, dass sich De Maat Fabriek nicht als klassische Schreinerei versteht. Das zeigt schon der Name. ‚De Maat‘ steht für Handwerk und Maßarbeit, ‚Fabriek‘ für Produktion und Technologie. Seit 2020 verbinden Nadine Kooij-Commandeur und ihr Team beide Welten miteinander. Damals übernahm Jorim Thomas, Inhaber des Luxusladenbauers The Eyden Berg, das Unternehmen 123SlidingDoors, einen Spezialisten für Schiebetürschränke und Inneneinrichtungen. Er baute die Marke De Maat Fabriek mit Kooij-Commandeur neu auf.
Vom Leben her gedacht
Noch immer sind Schränke der Kern des Betriebs, nur von Schiebetüren hat er sich wegentwickelt. Ob Wohnmöbel, Lösungen fürs Badezimmer oder Einbauschränke – außer Küchen kreiert das Team heute alles, was im Wohnraum gefragt ist. Kooji-Commandeur sieht ihr Unternehmen als kreativen Problemlöser. „Unsere Ideen entstehen in echten Wohnungen, aus dem Leben der Menschen und ihren Bedürfnissen“, sagt sie. Mit durchdachten und stilvollen Möbeln verschönern die Niederländer den Alltag der Menschen. Etwa, indem sie Saugroboter in einen Schrank integrieren, mit abgerundeten Kanten auf organische Interior-Trends eingehen oder Stauraum und Design miteinander verbinden. Die Philosophie dahinter beschreibt sie so: „Wir produzieren nicht einfach das, was der Kunde bestellt. Wir blicken gemeinsam aus mehreren Blickwinkeln und prüfen, ob er sich eigentlich etwas ganz anderes wünscht.“
Intelligente Maßarbeit, nicht weniger
Die Produkte der Maßfabrik bestehen aus skalierbaren Komponenten – millimetergenau mit einheitlicher Konstruktion. Das macht die Produktion effizient und die Montage einfach, ohne Einbußen in der Qualität. Also nicht weniger Maßarbeit, sondern intelligentere. Darum entschieden sich Kooji-Commandeur und ihr Betriebsleiter Ben Klijn für die Softwareplattform Homag Intelligence. Monatelang suchten sie nach einer Software, die Verkauf, Konstruktion und Produktion verbindet. Bisher war diese Schnittstelle das Nadelöhr der Schreinerei. Die Plattform hingegen bildet auch weitere Prozesse ab, von der Verwaltung und Auftragsorganisation bis zur Erstellung der Produktionsdaten für die Maschinen. „Wir brauchen eine Lösung für den Verkauf und für die Produktion, durchgängig und einfach zu bedienen“, sagt Kooji-Commandeur. „Eine andere Lösung, die das abdeckt, haben wir am Markt nicht gefunden.“

Das Nadelöhr Arbeitsvorbereitung
Über 70 Anfragen erreichen die Designer des Vertriebsteams wöchentlich über die Website. Per E-Mail prüfen sie wichtige Fragen: gewünschtes Möbelstück, Maße, Budget, Raumgröße und -aufteilung, Referenzen. Passt alles, startet die Visualisierung. Eine Woche brauchen die Mitarbeiter für das Zeichnen, insgesamt vier Wochen bis zum freigegebenen Entwurf – inklusive Bemusterung im Showroom. Danach folgt das Nadelöhr: die Arbeitsvorbereitung. Bis zu den aufbereiteten CAD-Daten vergehen teils bis zu zwei Monate. Warum? „Nach der Freigabe der Skizze muss unser technischer Zeichner alles für die Produktion von Grund auf neu im CAD/CAM aufbauen“, erklärt Kooji-Commandeur. Das kostet Zeit – und kommen im Nachgang noch Änderungen vom Kunden, steigt der Aufwand zusätzlich.
Bis zu 70 Prozent kürzere Lieferzeit
Der Materialeinkauf und die Produktion der Möbel dauern durchschnittlich höchstens einen Monat. Neben vielen manuellen Prozessschritten ist es vor allem die doppelte und dreifache Datenanlage und -pflege, die die Lieferzeit auf bis zu drei Monate verlängert. Der Einsatz von Homag Intelligence verkürzt die Lieferzeit künftig um acht Wochen, indem die Plattform Verkauf, Konstruktion und Produktion miteinander verbindet. Kooji-Commandeur erinnert sich, dass man sie oft auf die Unmöglichkeit dieses Vorhabens hinwies – ein Konfigurator, mit dem Kunden gestalten möchten und der am Ende des Tages produktionsreife Konstruktionsdaten liefert.
Konstruktionsbibliotheken für Einsteiger
Die kritisch beäugte Idee setzt der Betrieb heute um. Dafür passte das Team die in Homag Intelligence enthaltenen Konstruktionsbibliotheken an ihre Bedürfnisse an und sorgte für klare Einstiege – mit vielfältigen Stil- und Finish-Optionen. „Das begrenzt die Auswahl nicht, es macht sie übersichtlicher“, sagt Kooji-Commandeur. „Kunden können jederzeit personalisieren, aber die Basis wirkt weniger überwältigend.“ Selbstgestaltete Maßarbeit also, das möchte sie den Menschen rund um Amsterdam, Rotterdam und Utrecht ermöglichen.

Digitalisierung gegen Fachkräftemangel
Ist das Möbel fertig designt, liegen bereits alle Konstruktions- und Produktionsinformationen im Hintergrund vor. Bei Bestellung kann das Team sofort mit der Fertigung beginnen. Das komplette Neuerstellen des Möbels entfällt also – und damit mehrere Arbeitstage in der Vorbereitung. In der Zeit kann das Team von De Maat Fabriek weitere Aufträge bearbeiten, die es zuvor aus Kapazitätsgründen ablehnen musste. Doch das soll nicht das Ende sein. De Maat Fabriek will wachsen und ganz Europa mit Maßschränken versorgen. Ein Puzzleteil dieses Plans ist Homag Intelligence, ein anderes der Homag-Maschinenpark. Doch das Wichtigste: die Menschen der De Maat Fabriek. Die möchte Kooji-Commandeur weiterhin mit Technologie stärken. Sie sollen sich darauf konzentrieren, was sie am besten können: kreativ sein, Kunden begeistern und das Handwerk ausüben. Dafür möchte das Unternehmen wiederkehrende Elemente der Arbeit weiter digitalisieren.
Die Zukunft steckt voller Ideen
Derzeit arbeitet das Team an einer eigenen Möbellinie, die Kunden direkt im Onlineshop erwerben können: Lowboards und Nachttische stehen hier im Mittelpunkt. Durch mehr Standardisierung können sich mehr Menschen maßgefertigte Möbel leisten. Zudem ist eine Kooperation mit Montageschreinern geplant, um über das bisherige Einzugsgebiet hinaus Maßschränke liefern zu können. Es bleibt also spannend in De Maat Fabriek.













