Fit für die nächsten hundert Jahre

 Generationsübergreifende Harmonie: Kathleen und Heiner Wemhöner.
Generationsübergreifende Harmonie: Kathleen und Heiner Wemhöner.Bild: Wemhöner Surface Technologies

Wemhöner wird dieses Jahr einhundert Jahre alt. Ein Jubiläum, das Sie schon ausgiebig gefeiert haben. Wir blicken aber heute nach vorne: Wohin steuern Sie in den nächsten fünf Jahren – hierzulande und weltweit?

Heiner Wemhöner: Wir wollen unsere Stellung am Markt und unseren guten Ruf ausbauen. In den letzten Jahren haben wir bei Kurztaktpressen einen extremen Boom erlebt. Es ist aber ratsam, ein Unternehmen möglichst breit aufzustellen – nicht ohne Grund haben wir unsere Firma vor einiger Zeit in Wemhöner Surface Technologies umgetauft. Wir haben früher erfolgreich Furnierpressen gebaut und verfügen auch bei anderen Methoden zur Oberflächenveredelung über Kompetenz und Erfahrung – und über zufriedene Kunden. Auf diese Bereiche werden wir uns vermehrt konzentrieren.

Wemhöner hat früher hauptsächlich für die heimische Möbelindustrie der Küchen- oder Möbelmeile produziert. Heute sind Sie international aufgestellt. Wo wollen Sie zukünftig Ihre Präsenz ausbauen?

Heiner Wemhöner: Wir haben momentan einen Exportanteil von 90%. Das ist eine aussagekräftige Zahl. Wir sind global präsent und weltweit unterwegs. Ich sehe keine besonderen Märkte.

Sie versorgen also den asiatischen Markt mit Ihrer 2005 gegründeten Firma in China?

Heiner Wemhöner: Ja. Den südost-asiatischen Markt schneller zu erreichen war und ist das Ziel unseres Engagements in Changzhou.

Hohe Kosten und Fachkräftemangel in Deutschland, starkes Wachstum in China – halten Sie Ihrem Stammwerk in Herford die Treue?

Heiner Wemhöner: Wir glauben an unsere deutschen Mitarbeiter, weil wir weiterhin Technologieführer bleiben möchten. Nicht zuletzt sind hier in Deutschland viele gute Ingenieure damit beschäftigt, die Qualität unserer Anlagen zu verbessern und die Leistung zu steigern.

Sitzt also hier die Entwicklung und in China die Produktion?

Heiner Wemhöner: Nein, beide Firmen sind unabhängig voneinander und unsere chinesische Firma entwickelt eigenständig – und das soll auch so bleiben. Für uns ist der enge Kontakt zu unseren Kunden wichtig. Das war auf der Ligna ideal: der persönliche Kontakt und die vielen Gespräche. Das ist das Schöne an Messen. Man sieht sich und tauscht sich aus. Auch wenn inzwischen viel online passiert, ist das Menschliche nach wie vor entscheidend.

Frau Wemhöner, Sie gehören einer anderen Generation an als Ihr Vater. Sehen jüngere Menschen das anders?

Kathleen Wemhöner: Nein – aber ich bin auch so groß geworden. Man muss zwar mit der Zeit gehen, und dieses Medium ist sehr praktisch. Aber die Nähe durch den persönlichen Kontakt ist oft viel wichtiger. Das schafft Vertrauen. Ich finde diese Tradition und auch die Werte meines Vaters nach wie vor elementar.

Herr Wemhöner, Ihre Tochter Kathleen und Ihr Sohn Philipp rücken nach. Was bedeutet das für Sie?

Heiner Wemhöner: Es ist das größte Glück für einen Unternehmer, wenn die Firma in der Familie bleibt. Ich sehe auch, wie glücklich unsere Mitarbeiter sind, wie positiv die Resonanz ist.

 Die Einetagen-Synchronpore-Kurztaktpresse mit 12 Presszylindern und einem spezifischen Druck von 700N/cm² für tiefe Strukturen.
Die Einetagen-Synchronpore-Kurztaktpresse mit 12 Presszylindern und einem spezifischen Druck von 700N/cm² für tiefe Strukturen.Bild: Wemhöner Surface Technologies

Frau Wemhöner, Sie kommen aus einer anderen Branche und haben Wirtschaftswissenschaften studiert. Wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Rolle? War die Eingewöhnung schwierig?

Kathleen Wemhöner: Wie soll man das erklären? Ich komme nicht aus der Technik, bin keine Ingenieurin und sehe viele Dinge anders als unsere Konstruktion. Aber das strategische Denken und die Mitarbeiterführung sind für die Leitung eines Unternehmens ebenfalls sehr wichtig. Mein Bruder hat vor seinem Studium eine technische Ausbildung in einer Maschinenfabrik abgeschlossen, dadurch ergänzen wir uns sehr gut.

Fühlen Sie sich gegenüber Ihrem Vater und dem Unternehmen verpflichtet?

Kathleen Wemhöner: Verpflichtet würde ich nicht sagen, das wäre auch falsch. Wenn man sich verpflichtet fühlt und das nicht lebt, dann wird das nichts. Man übernimmt nicht nur einen Job, sondern ein Lebenswerk. Verantwortung haben und die Zukunft mitgestalten ist schön und inspirierend. Ich wachse langsam in die Fußstapfen meines Vaters. Gleichzeitig muss ich auch auf eigenen Füßen stehen.

Welche Technologien werden für Wemhöner zukünftig entscheidend sein?

Heiner Wemhöner: Oberfläche bleibt unser Thema. Darum haben wir die Firma 2007 umbenannt und den Fokus mehr auf moderne Oberflächen-Finishing-Technologien gelegt. Wir haben das Wissen und das Knowhow, solche Anlagen zu bauen und erfolgreich zu vertreiben.

KI gewinnt immer mehr an Bedeutung und legt ein atemberaubendes Tempo vor. Wie nutzen Sie sie konkret in Anlagen, Service und Maschinenüberwachung?

Heiner Wemhöner: Das ist extrem wichtig bei Anlagen, die sieben Tage die Woche dreischichtig laufen. Kein Kunde kann fünf Tage warten, wenn etwas vorfällt – es muss sofort etwas passieren. Am wichtigsten ist, dass die Anlagen so konzipiert sind, dass wenig schiefgehen kann. Und dass wir sofort zur Stelle sind, falls doch etwas passiert.

Sie wissen von Vorfällen, bevor der Kunde sie überhaupt bemerkt.

Heiner Wemhöner: Genau. Anlagen, die im Vollschichtbetrieb laufen, dürfen nicht stehenbleiben. Darum ist der Service so wichtig. Der Kunde vertraut uns und wir sind jederzeit erreichbar. Und wenn es Werkzeuge wie KI gibt, mit denen man das besser machen kann, dann ist das ein Muss für uns. Das Wichtigste ist ein zufriedener Kunde – wir leben schließlich davon.

Kathleen Wemhöner: Das sehe ich genauso: Wir wachsen mit ihnen. Sie sind der Grund, warum wir unsere Technik immer wieder vorantreiben. Unsere Kunden sind es, die uns täglich fordern und uns auf Ideen bringen, die wir aufnehmen und weiterentwickeln. Sie nutzen unsere Maschinen in der Praxis – und kennen sie manchmal besser als wir.

Wenn wir in 25 Jahren wieder zusammensitzen – worauf möchten Sie dann zurückblicken und sagen: Der Einsatz hat sich gelohnt?

Heiner Wemhöner: Mein Wunsch wäre, dass das Unternehmen in 25 Jahren immer noch ein Familienunternehmen ist, nah am Kunden und vorne am Markt dabei.

Also mit identischer DNA, die aus Tradition, technischem Fortschritt und zufriedenen Kunden besteht?

Heiner Wemhöner: Exakt. Weil unsere Kunden uns persönlich kennen und schätzen.

Kathleen Wemhöner: Manche Kunden sind für uns fast wie Freunde. Manche von ihnen hatten meinen Bruder und mich schon als kleine Kinder auf dem Arm.

Heiner Wemhöner: Schön ist, wie glücklich sie sind, dass meine Kinder das Unternehmen in diesem Sinne weiterführen werden.

Der Maschinen- und Anlagenbauer Wemhöner Surface Technologies blickt auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurück. Gegründet wurde das Unternehmen 1925 von Heinrich Wemhöner in Herford als Handwerksbetrieb. Anfangs spezialisierte sich die Firma auf die Herstellung einfacher Maschinen. Doch schon bald entwickelte sich Wemhöner zu einem Anbieter von Pressensystemen. In den 1950er-Jahren begann das Unternehmen mit der Produktion von Kurztaktpressen. In den folgenden Jahrzehnten baute Wemhöner sein Produktportfolio weiter aus – darunter Anlagen für 3D-Verformung, Direktbeschichtung und Dünnschichttechnologien. Der internationale Durchbruch gelang in den 1990er-Jahren mit dem Aufbau von Produktions- und Servicestandorten in Asien. Heute ist Wemhöner ein weltweit agierendes Familienunternehmen.