Besserer Service, weniger Reisen

Techniker mit Augmented Reality zugeschaltet

Nicht für jeden Service-Fall muss sogleich ein Techniker eingeflogen werden, wenn die passende Technologie zur Verfügung steht. Beim Spezialmaschinenbauer Heinrich Kuper kommt im Service eine Augmented-Reality-Lösung zum Einsatz, die künftig auch Teil der Standard-Service-Vereinbarung werden soll.
Bild: Raumtänzer GmbH

Kontaktbeschränkungen und Reiseverbote verhindern nicht nur Veranstaltungen wie etwa Messen, sondern können auch Inbetriebnahmen, Reparaturen und Servicearbeiten ausbremsen. Gemeinsam mit dem IT-Spezialisten Raumtänzer hat der Spezialmaschinenbauer Heinrich Kuper eine Lösung gefunden, die dabei via Augmented-Reality-Technologie visuelle Hilfe leistet. „Ein Anlagenstillstand kann so nicht nur zu Corona-Zeiten verhindert beziehungsweise deutlich verkürzt werden“, sagt Gerd Meurer, Geschäftsführer bei Heinrich Kuper. Das Einsparpotenzial im weltweiten Service liegt Schätzungen zufolge bei bis zu 40 Prozent. Entwickelt wird die Lösung wird auf Basis der Software Flux Remote.

Entwicklungsstart 2020

Schon vor den Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie hatte Kuper Anfang 2020 mit der Entwicklung einer App zur Unterstützung des Service begonnen. „Die AR-Spezialisten von Raumtänzer haben uns damals die Möglichkeiten der Technologie vorgestellt“, erinnert sich Projektleiter Sebastian Möller. Als Montageeinsatzplaner koordiniert er die Arbeit der Servicetechniker des Maschinebauers, dessen Maschinen zur Furnierverarbeitung und zur Verpackung vor allem in der holzverarbeitenden Industrie und bei Möbelherstellern gefragt sind. Mit einem Exportanteil von 80 Prozent ist das Serviceteam auf allen Kontinenten unterwegs. „In einem Workshop haben wir deshalb zu Beginn die gängigen Anwendungsszenarien beschrieben und unsere Anforderungen an die neue Software definiert“, berichtet Möller. „Wir haben schnell gemerkt, dass für den digitalen Service umfangreiche Vorleistungen erforderlich sind: präzise Definition aller Ersatzteile, detaillierte Beschreibung der Montageleistungen, Kosten- und Zeitkalkulation etc.“ Mehr als 20.000 Artikel hält Kuper allein im Ersatzteillager bereit. Möller weiß: „Jeder Maschinenbauer, der einmal in diesen Prozess einsteigt, wird ihn ständig weiterentwickeln müssen.“

Fokus auf dem Kundennutzen

Der Fokus liegt auf dem Kundennutzen. Wenn beispielsweise eine Furnierfügemaschine nicht sauber arbeitet, ist schnelle Hilfe erforderlich, damit die Produktion nicht ins Stocken gerät. „Über unser Service-Portal bekommt der Bediener vor Ort einen passenden Ansprechpartner und kann sich mittels Zugangs-Token direkt auf seinem Mobilgerät einwählen“, erklärt Möller den Ablauf. Per mobilem Endgerät kann die Problemstelle visualisiert werden. Über Marker oder Pfeile gibt der Service-Mitarbeiter dann Anleitungen zur Fehlersuche. „Entweder leisten wir direkt Hilfe zur Selbsthilfe – also beispielsweise beim Justieren von Werkzeugen oder Dosiereinheiten. Oder wir können so den Schaden präzisieren und sofort den Techniker mit dem richtigen Ersatzteil losschicken“, fasst der Montageeinsatzplaner zusammen. Besonderer Schulungsbedarf für die Anwender bestehe nicht. Erste Tests, z.B. bei Inbetriebnahmen an Standard-Maschinen, waren erfolgreich. Neben den Standard-Maschinen, die selbst meist über wenig eigene Software verfügen, kommen für die AR-Technologie nach Einschätzung von Geschäftsführer Gerd Meurer auch Sondermaschinen in Frage. „Bei diesen komplexen Anlagen ist oft Expertenwissen wichtig. Die hochqualifizierten Techniker können aber nicht ständig kreuz und quer zwischen Europa, Asien und Amerika unterwegs sein.“

 Mit der Augmented-Reality-Lösung können die Maschinenhersteller Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. In der App können sie z.B. Live-Anweisungen für Instandsetzungsaufgaben erteilen.
Mit der Augmented-Reality-Lösung können die Maschinenhersteller Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. In der App können sie z.B. Live-Anweisungen für Instandsetzungsaufgaben erteilen.Bild: Raumtänzer GmbH

Neue Geschäftsmodelle

Die sofortige Verfügbarkeit via App macht sich bei der Kundenzufriedenheit bezahlt. Und auch der initiale Aufwand amortisiert sich laut der Kuper-Geschäftsführung schnell. Bei den Gesamtkosten einer Maschine liege dieser im einstelligen Prozentbereich. „Grundsätzlich zeigen sich die Kunden offen dafür, den Mehrwert zu honorieren“, sagt Sebastian Möller. Denkbar seien eine Pauschale beim Kauf der Maschine oder auch Service-Abos. Das Unternehmen hat sich entschieden, dass die Remote App in Zukunft als Standard in die Service-Vereinbarungen zu integrieren. Flux Remote kann jeweils individuell am Bedarf des Kunden ausgerichtet werden. Mittels Deeplink lässt sich das Tool z.B. in bestehende Kundensysteme und -portale einbinden und auch in andere FluxProdukte integrieren. „Mit virtuellen AR-Buttons, die an der Maschine verankert sind, kann so beispielsweise direkt der zuständige Serviceleiter über Flux Remote kontaktiert werden“, sagt Christian Terhechte, CEO bei Raumtänzer. „Mit Flux Remote entsteht mittels AR-Einsatz ein geteilter Raum, in dem Experte und Anwender ihre Aufgabe effizient gemeinsam lösen“, so Terhechte. Die dreidimensionale Visualisierung ermöglicht es dem Spezialisten, direkt im Raum des Anrufenden einzugreifen. Er kann dort den Zielpunkt der nächsten Aktion markieren, Diagramme, Datenblätter und Erklärvideos platzieren. Die Software steht sowohl für Android als auch für iOS Smartphones und Tablets zur Verfügung.

Emissionen sparen

Die Service-Lösung hat auch Venjakob Maschinenbau im Einsatz: „Wir haben im Pilot-Projekt die Wartung unserer Ven Spray-Baureihe so weit wie möglich auf Flux Remote umgestellt“, sagt Geschäftsführer Christian Nüßer. Er bestätigt die Einsparpotenziale, mit denen auch Kuper kalkuliert. „Die Wartungs- und Servicearbeiten können jetzt – angeleitet von den Inhouse-Technikern – vor Ort erledigt werden. Unser Servicetechniker spart pro Fall zwischen vier Stunden und zwei Tagen An- und Abreise sowie die Reisekosten“, schildert Nüßer. Der geringere Reiseaufwand, gleichbedeutend mit einem reduzierten CO2-Ausstoß, kommt dabei auch der Umwelt zugute.

Das könnte Sie auch Interessieren

Anzeige

Bild: KD Busch/Compamedia
Bild: KD Busch/Compamedia
Flex Top-Innovator 2022

Flex Top-Innovator 2022

Ehrung auf dem Deutschen Mittelstands-Summit: Ranga Yogeshwar würdigt Flex-Elektrowerkzeuge aus Steinheim anlässlich ihres Erfolges beim Innovationswettbewerb TOP 100. Die Preisverleihung im Rahmen des Summit hat am Freitagabend, 24. Juni, in Frankfurt am Main für alle Mittelständler stattgefunden, die am Jahresanfang mit dem TOP 100-Siegel ausgezeichnet worden sind.

Bild: VDMA e.V.
Bild: VDMA e.V.
„Kurzarbeit braucht keine Sonderregeln mehr!“

„Kurzarbeit braucht keine Sonderregeln mehr!“

Zu den Plänen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, die Sonderregelungen zur Kurzarbeit um weitere drei Monate zu verlängern, erklärt VDMA-Präsident Karl Haeusgen: „Die Kurzarbeit hat sich während der Corona-Krise erneut als wichtiges Instrument bewährt, um den Beschäftigten ihren Arbeitsplatz und den Unternehmen bewährte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sichern.

Bild: DGM
Bild: DGM
Team 7 tritt Klimapakt bei

Team 7 tritt Klimapakt bei

Der Möbelhersteller Team 7 aus Ried im Innkreis im Westen Oberösterreichs hat sich dem ‚Klimapakt für die Möbelindustrie‘ der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM) angeschlossen.

Bild: G. Kraft Maschinenbau GmbH
Bild: G. Kraft Maschinenbau GmbH
Digitales Auge der modernen Produktion

Digitales Auge der modernen Produktion

Ein wichtiger Faktor bei der Produktivitätssteigerung ist die technische Verfügbarkeit von Produktionsanlagen – das ist wohl für alle eine bekannte Weisheit. Wie aber steigern, wenn wir keine Daten haben auf deren Basis wir analysieren können, wo noch Steigerungspotential in der Produktion vorhanden ist. Diese Daten zu sammeln, aufzubereiten und so zu visualisieren, dass Zusammenhänge in der Fertigung transparenter werden, darauf zielt die neue IoT-Plattform ‚intelligent data analytics‘, kurz ‚ida‘, der G. Kraft Maschinenbau GmbH ab.

Bild: JustLaser GmbH
Bild: JustLaser GmbH
Alleinstellungsmerkmal mit Lichtgeschwindigkeit

Alleinstellungsmerkmal mit Lichtgeschwindigkeit

Spätestens seit 2021 ist jedem bewusst: Holz ist ein kostbarer Werkstoff. So muss in der Produktherstellung auf minimalen Ausschuss mit maximaler Gewinnerzielung geachtet werden. Gleichzeitig versuchen sich gerade kleine und mittelständische Unternehmen im holzverarbeitenden Handwerk und der Industrie vom Markt abzuheben und Alleinstellungsmerkmale zu generieren. Ein solches Merkmal kann die Laser-Bearbeitung des Holzes erzeugen.

Bild: TQ-Systems GmbH
Bild: TQ-Systems GmbH
Kollaborative Roboter

Kollaborative Roboter

Vollholzmöbel-Fertigung und modernste Roboter-Lösungen – im Handwerksbetrieb Holocher im malerischen Waltenhofen im Allgäu zeigt sich, wie sich diese beiden Elemente erfolgreich kombinieren lassen. Die kollaborative Robotik-Lösung von TQ übernimmt monotone, körperlich anstrengende Prozesse wie etwa das Leimen von Holzelementen. Die Mitarbeitenden können sich jetzt verstärkt um das Design, die Qualitätssicherung und die Feinarbeiten kümmern.

Bild: TH Rosenheim
Bild: TH Rosenheim
Mahlplatten für die 
richtige Fasergeometrie

Mahlplatten für die richtige Fasergeometrie

Holzfaserdämmstoffe gehören praktisch selbstverständlich zum Neubau und zur Sanierung von Gebäuden. Als Dämmstoffe kommen z.B. Buchenholzfasern in Frage. Zur Produktion von Holzfasern für die Dämmstoffherstellung stehen jetzt besonders ressourcen- und energieeffiziente Mahlscheiben zur Verfügung, die inzwischen auch industriell eingesetzt werden. Holzfasern lassen sich damit mit reduziertem elektrischen Energiebedarf herstellen und eignen sich besser für die Dämmstoffherstellung.

Anzeige

Anzeige