Dabei setzt Kuka als Automatisierungsexperte Roboter als sinnvolles Mittel ein. Wesentliche Bearbeitungsschritte werden von Bearbeitungstool an Roboter durchgeführt. Dabei werden Produktdaten direkt vom CAD in die Fertigung eingesteuert. In der Holzverarbeitung und Bauindustrie sind Großmaschinen und Roboter natürlich heute schon im Einsatz. Es geht darum, den nächsten Schritt zu gehen und alles miteinander zu verbinden, zu einer automatisierten, auf den Kunden zugeschnittenen Anlage.

Wie weit lassen sich dadurch Prozesse standardisieren?

Standardisierung spielt in der industriellen Automatisierung generell eine wichtige Rolle und sorgt dafür, dass Produkte schnell, effizient und mit einheitlich hoher Qualität produziert werden können. Durch Automatisierung kann die Nacharbeitsquote von 12% auf unter 3% verringert werden. Genau diese Vorteile lassen sich auf die Bauindustrie übertragen, wenn die Häuser nach konstant hohen Standards automatisiert in der Fabrik gefertigt werden. Das reicht von der Grundstruktur aus Holz oder Stahl bis hin zum Dämmen von Wänden und Böden oder dem Einbau von ausgestatteten Küchen. Und darüber hinaus kann es so auch im Vorfeld die Planungen beschleunigen: Wenn Sie heute eine Baugenehmigung für ein Haus brauchen, ist das teuer, zeitintensiv und aufwendig. Eine genormte, standardisierte Hausfertigung in einer Fabrik könnte diesen Genehmigungsprozess deutlich vereinfachen. Auch hinsichtlich Förderprogrammen oder komplizierten Verordnungen: Ist beispielsweise eine Norm oder Anforderung einmal in das Programm integriert, kann ohne weiteren Schulungs- und Kontrollaufwand nachweislich auf diesem Standard produziert werden.

Welche Rolle spielt dabei Holz als Baustoff im Vergleich zu den anderen Baumaterialien?

Gerade wenn es um nachhaltige Bauweisen geht, ist der Holzbau ein wichtiger und zukunftsfähiger Markt. Zudem hat man im Holzbau seit Jahrzehnten Erfahrung mit der Serienfertigung und es werden Maschinen und im geringen Grad auch Automatisierungslösungen für Einzelschritte eingesetzt, zum Beispiel für die Fertigung von Wänden. Auf diese Grundlagen setzt Kuka auf und entwickelt daraus zugeschnittene Konzepte für die Kunden. So lässt sich effektiver und schneller produzieren, denn die Nachfrage nach Häusern in Holzbauweise ist groß. Zudem bieten unsere innovativen Automatisierungslösungen Antworten auf Herausforderungen wie Fachkräftemangel oder hohes Lohnniveau. Denken Sie an die Automobilindustrie. Mit Automatisierung hat man es hier geschafft, eine innovative und wettbewerbsfähige Branche in Deutschland aufzubauen und gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen und gesichert.

Inwiefern ist es angesagt, Vorfertigungsschritte vor allem mit Holz einzubeziehen?

Das hängt ein wenig davon ab, um welchen Schritt es geht, die Vorfertigung der Balken beispielsweise steht beim automatisierten modularen Hausbau in der Fabrik weniger im Fokus. Unser Fokus und unsere Expertise liegen in der Automatisierung manueller Prozesse: Kuka ist kein Spezialmaschinenbauer, wir sind ein Turnkey-Anbieter von kundenbasierten Lösungen. Dazu integrieren wir marktgängige Systeme und erhöhen durch eine flexible Automatisierungslösung die Produktivität der Gesamtfertigung für unsere Kunden.

Ist die Perspektive der Nachhaltigkeit durch Automatisierung und Vorfertigung mehr als nur ein Hype? Welche harten Rationalitäts-Überlegungen stecken dahinter?

In Sachen Nachhaltigkeit bietet der automatisierte modulare Hausbau enorme Vorteile: In der Fabrik lässt sich ressourcenschonender bauen und man hat eine wetterunabhängige Produktion in einem sauberen Umfeld, also kein Risiko für witterungsbedingte Schäden und ein generell besser planbares Projekt. Zudem lässt sich der Lieferaufwand an die verschiedenen Baustellen enorm reduzieren, indem die komplette Vorfertigung in der Fabrik stattfindet. Auch für die Mitarbeitenden bietet eine Indoor-Umgebung deutlich bessere Arbeitsbedingungen, was in einer Nachhaltigkeitsdebatte oft zu kurz kommt.

Langfristig betrachtet lassen sich durch die genormten Prozesse in der Fabrik Gebäude unkomplizierter weiter nutzen. Ein einfaches Beispiel: wenn man mit dem Roboter schraubt, statt nagelt, ist der Rückbau später leichter und Themen wie Second-Life oder Circular Economy werden uns zukünftig zwangsläufig mehr beschäftigen. Ein weiteres Beispiel, das mir auch gut gefällt: der automatisierte Hausbau ermöglicht eine ökologische Dämmung auf durchgehend hohen Niveau, denn eine Zellulosedämmung lässt sich mit Robotern in der Fabrik deutlich präziser einbringen als konventionell auf der Baustelle und gerade im Bereich der Energieeffizienz müssen wir im Bau vorhandene Potenziale besser heben.

Wie würden Sie eine entsprechende Engineering-Lösung für einen kleinen oder mittleren Holzbearbeitungs-Betrieb beschreiben? Wie sehen die einzelnen Schritte aus, mit denen Kuka die Mittelständler in der Holzbearbeitung und insbesondere im Holzbau überzeugen wollen?

Kuka hat ein breites und jahrzehntelang gewachsenes Knowhow, eben durch die umfassende Erfahrung in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen und Märkten. Das reicht vom industriellen Großkunden im Anlagenbau bis zum mittelständischen Unternehmen. Mit dieser Erfahrung entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden zugeschnittene Lösungen. Ein Beispiel ist der Umgang mit dem Rohstoff Holz, bei dem Aspekte wie Beschaffenheit, Flexibilität und Biegsamkeit bei der automatisierten Verarbeitung berücksichtigt werden müssen.

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