
Herr König, Sie haben ein Unternehmen übernommen, das technisch etabliert, vertrieblich aber zurückhaltend war. Wo steht SHM Stegherr heute und welches Ziel verfolgen Sie?
Henry König: Technisch hatten wir von Anfang an eine starke Basis. Wir kommen aus der Profilbearbeitung, viele Kunden verbinden uns mit Kreuzsprossen oder Profilleisten. Mein Ziel war und ist, diese Kompetenz so weiterzuentwickeln, dass wir nicht nur eine Maschine liefern, sondern eine vollständige Lösung. Das betrifft die Fertigung, die Automatisierung, die Software und den Service. Wir wollen, dass uns die Branche als Partner wahrnimmt, der profilbasierte Fertigungsaufgaben analysiert, mit dem Kunden bespricht und dann eine Anlage realisiert, mit der er wirtschaftlich arbeiten kann.
Welche Märkte und Anwendungen stehen für die nächsten Jahre im Fokus?
Unser Kern bleibt die profilbasierte Fertigung. Dazu gehören Fenster und Türen aus Holz, Aluminium oder Kunststoff, aber auch Anwendungen in der Möbelindustrie, im Caravanbau, im Modulbau und in Spezialbereichen. In der Möbelindustrie sehen wir einen Trend zur Variantenfertigung. Polstermöbelhersteller wollen gebogene und gerade Rahmenteile nicht mehr in großen Serien produzieren, sondern individuell in kleineren Losgrößen. Unsere Aufgabe ist es, Maschinen zu entwickeln, die diese Einzelfertigung industriell effizient ermöglichen. Im Caravanbau geht es darum, Rahmen, Möbelteile und tragende Komponenten so zu bearbeiten, dass Gewicht, Stabilität und Oberfläche stimmen. Und im Modulbau müssen oft sehr große und schwere Profile zuverlässig und reproduzierbar bearbeitet werden. In all diesen Feldern können wir unsere Profiltechnik und unsere Erfahrung im Sondermaschinenbau einbringen.
Sie sprechen von Varianten- und Einzelfertigung. Welche technischen Schwerpunkte leiten Sie daraus für künftige Maschinen ab?
Ein Schwerpunkt ist die Flexibilität der Maschinen. Wir entwickeln Anlagen, bei denen das Werkstück sicher gespannt bleibt und die Werkzeuge die Bewegungsarbeit übernehmen. In einem aktuellen Projekt für einen Möbelhersteller steuern 21 Achsen die Bewegung von Aggregaten, Anschlägen und Spannsystemen. Die Anlage kann gebogene Rahmenteile in Länge und Winkel zuschneiden, Bohrungen setzen, Leim dosieren und Dübel einpressen, ohne dass der Bediener umrüsten muss. Solche Konzepte werden wir weiter ausbauen. Entscheidend ist, dass sich die Maschine automatisch auf das jeweilige Profil und das gewünschte Bearbeitungsprogramm einstellt. Dazu gehören servogesteuerte Aggregate, flexible Spanntechnik und eine durchdachte Software.
Welche Rolle spielt Automatisierung über den Bearbeitungsprozess hinaus, etwa beim Handling oder bei der Qualitätskontrolle?
Wenn wir über effiziente Profilbearbeitung sprechen, geht es nicht nur um Sägen, Fräsen oder Bohren. Es geht um Materialfluss und Qualitätssicherung. Im Handling setzen wir auf integrierte Zuführ- und Übergabesysteme zwischen den Bearbeitungsstationen. Das reduziert Wegzeiten und entlastet Mitarbeiter. Je nach Aufgabe nutzen wir in der Qualitätskontrolle Kamerasysteme und 3D-Sensorik. Ein Beispiel ist eine Anlage, bei der profilförmige Bauteile gesägt und mit einem 3D-System vermessen werden. Das System erstellt ein Modell des Bauteils und vergleicht es mit dem Sollmodell. So lassen sich Längen, Bohrungen und Konturen automatisiert prüfen. Solche Technologien werden wir weiter in unsere Lösungen integrieren, wenn es der Prozess erfordert.
Neben Technik und Märkten müssen auch Organisation und Fertigung mitwachsen. Was planen Sie hier für die nächsten Jahre?
Wir haben bereits damit begonnen, unsere Fertigung über eine Slotplanung zu strukturieren. Das werden wir verfeinern. Ziel ist es, Schweißerei, mechanische Bearbeitung, Montage und Inbetriebnahme so aufeinander abzustimmen, dass es Durchlaufzeiten und Engpässen reduziert. Parallel arbeiten wir daran, interne Fehlerkosten zu senken. Wir analysieren, wo Teile nachbearbeitet werden müssen, wo Fehler erst spät auffallen, und wie wir das vermeiden können. Jeder vermiedene Fehler im Werk wirkt sich auf den Aufwand beim Kunden aus. Unsere Richtung ist klar: effizientere Fertigung, bessere Planbarkeit und stabile Qualität. So können wir mit einem kleinen Team komplexe Projekte bearbeiten.
Sie betonen den Stellenwert von Service. Wie wird sich der Service bei Stegherr weiterentwickeln?
Für uns ist Service kein Nebenprodukt, sondern Teil unserer Leistung. Steht eine Maschine still, verdient der Kunde kein Geld. Unser Ziel ist deshalb ein Service, der sowohl präventiv als auch reaktiv funktioniert. Wichtig ist der Grundsatz, dass jede Maschine einen verantwortlichen Monteur hat. Er begleitet Aufbau, Abnahme und Inbetriebnahme beim Kunden und kennt die Anlage. Diese Struktur behalten wir bei und sichern sie organisatorisch ab.
Wie nehmen Sie Ihr Team mit in diese Zukunft?
Ohne die Belegschaft funktioniert nichts. Technik und Prozesse können Sie planen, aber umsetzen müssen das Menschen. Deshalb investiere ich viel Zeit in Personalthemen. Dazu gehören Gespräche mit Mitarbeitern, das gemeinsame Entwickeln von Ideen und eine offene Kommunikation. Neue Kollegen stellen wir nicht nur nach fachlicher Qualifikation ein, sondern achten auch darauf, dass sie ins Teams passen. Ein gutes Betriebsklima, in dem jeder offen Problem ansprechen kann, ist für mich Voraussetzung für jede Entwicklung. Für die Zukunft bedeutet das: Wir entwickeln unsere Organisation fachlich und kulturell weiter. Gelingt es uns, beides zusammenzubringen, können wir unsere Ziele erreichen.
Wenn Sie den Blick nach vorne richten: Was soll Stegherr in fünf bis zehn Jahren in der Branche verkörpern?
Wir möchten, dass uns die Branche als ersten Ansprechpartner wahrnimmt, wenn es um profilbasierte Fensteraufgaben geht, die eine Standardmaschine nicht lösen kann. Das betrifft Fenster- und Türenhersteller, Möbelproduzenten, Caravanbauer und Unternehmen im Modulbau ebenso wie Spezialanwendungen in anderen Industrien. Unser Ziel ist, dass Kunden sagen: Bei komplexen Profilproblemen fragen wir zuerst bei Stegherr an. Das erreichen wir nur, wenn wir technisch innovativ bleiben, unsere Organisation an den Projekten ausrichten und unseren Service so ausbauen, dass Kunden im Alltag von unserer Unterstützung profitieren.















