Oberflächenbearbeitung

Warum Quality Finishing?

Es gibt Dinge, die möchte jeder Praktiker in der Holzbearbeitung vermeiden. Bei der Holzfensterfertigung ist das der Zwischenschliff. Manuell ausgeführt mangelt es an Prozesssicherheit und Wiederholgenauigkeit. Dafür ist mit durchgeschliffenen Beschichtungen, aufstehenden Fasern und damit rauen Oberflächen zu rechnen. Eine Lösung ist die Spezialschleifmaschine Q-Fin von Otto Martin. Sie steigert die Qualität der Fenster und senkt Herstellungskosten. Wie das funktioniert, erläutert Michael Mühldorfer. Er ist bei Otto Martin in Ottobeuren Leiter des Produktmanagements.
 Die Maschine in der Gesamtansicht
Die Maschine in der GesamtansichtBild: Otto Martin Maschinenbau GmbH & Co. KG

Dazu müssten die Werkstücke zunächst präzise geführt werden. Wie gehen Sie hier beim Q-Fin vor?

Mühldorfer: Richtig. Die präzise Führung ist ein wichtiger Punkt. Denn Querschleifen ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Eine Besonderheit ist der Rollenkanal, der wie eine Führung funktioniert. Das basiert auf Laufrollen, die unten sowie links und rechts angebracht sind. Weiter kommen hier auch Druckrollen von oben zum Zuge. Dadurch wird das Werkstück auf allen Seiten gleichmäßig durch diesen Rollenkanal geführt. Im Hinblick auf die im Fensterbau kippanfälligen Querschnitte ist interessant, dass durch die Rollenführungen – also den Druck und die Härte der Rollen – das Werkstück präzise geführt wird. Durch die zwei Aggregate, die die Innen- und Außenseite mit Schleifpads behandeln, ermittelt die Elektronik, wo das Werkstück jeweils beginnt bzw. endet. Sobald das Werkstück ankommt, erkennt der Sensor, wie weit es vorgerückt ist. Erst wenn das Werkstück weit genug in der Maschine ist, bewegt sich der Schleifschuh nach unten. Würde er sich zu früh absenken, könnte es sein, dass das führende Ende zu stark abgeschliffen würde. Das gleiche gilt für die andere Seite, ebenso wie für die Glaskante und die dritte Seite. Entscheidend ist das Zusammenspiel zwischen Rollenkanal und dem genauen Eintakten der Schleifpads, die zum Schleifprozess führen.

Sie haben die Elektronik und die Sensoren in der Maschine angesprochen. Welche Rolle spielt dabei die Steuerung der Maschine?

Mühldorfer: Das Herzstück der Maschine ist die elektronische Steuerung, in der verschiedene Fensterquerschnitte oder Fensterbauteil-Querschnitte abgelegt werden. Das ermöglicht mit verschiedenen Drücken und Schleifbandgeschwindigkeiten zu arbeiten. Über den frequenzgeregelten Motor lässt sich auch der Vorschub variieren. Die Steuerung von Schneider Electric regelt dabei das gesamte Zusammenspiel. Etwa 95% der elektronischen Komponenten stammen von diesem Unternehmen, das seit 6 Jahren Systemlieferant für Otto Martin ist. Ein Beispiel für die Arbeitsweise der Steuerung sind die jetzt serienmäßig gesteuert einstellbaren seitlichen Bürstenaggregate. Sie minimieren zudem die Rüstaufwände an der Q-Fin nochmals deutlich. Wie auch das Fasenaggregat werden die beiden Aggregate schnell und präzise per Touch-Steuerung eingestellt. Das erschließt dem Fensterbauer weitere Kostenvorteile.

Gibt Zusatzaggregate der Q-Fin oder weitere Varianten?

Mühldorfer: Die Q-Fin wird in nur einer Variante geliefert. Das Fasenaggregat, das eigentlich auf der letztjährigen Holz-Handwerk in Nürnberg vorgestellt werden sollte, ist, wie die beiden motorisch einstellbaren seitlichen Bürsten, mittlerweile der Stand der Technik. Diesen Stand bezeichnen wir als die „zweite Generation“.

Wie ist die Maschine aufgebaut?

Mühldorfer: Die Maschine ist modular aufgebaut, auf dem großen Maschinenständer könnten weitere Aggregate verbaut werden, was wir allerdings nicht tun, denn der determinierte Durchlauf des Werkstücks bewährt sich. Im Durchlauf ist das Fasenaggregat das erste, gefolgt von zwei seitlichen Bürsten zum Ausschleifen der Falze. Anschließend folgen die zwei horizontalen Schleifaggregate. Die beiden Bürstenaggregate, die von oben bzw. unten arbeiten, schließen die Bearbeitung ab. die Ober- und Unterseite des Fensters behandeln. Diese beiden Bürsten dienen dabei primär dem Entstauben.

Seit wann ist Q-Fin im Einsatz?

Mühldorfer: Die Maschine wird seit 2014 in zahlreichen führenden europäischen Fensterbaubetrieben eingesetzt wird. Die Q-Fin hat sich bereits als eine ideale Oberflächen-Bearbeitungsmaschine für jeden Betrieb bewährt, der sich spürbare Entlastung auf der Kostenseite bei gleichzeitiger Verbesserung der Oberflächengüte erschließen möchte. Mit unserem Verfahren addieren sich Einsparungen von Fertigungskosten und qualitative Verbesserungen.

Die Fragen stellte Peter Schäfer

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