Anzeige

Anzeige

Anzeige

Lesedauer: 7 min
2. November 2021
CNC-Türkantenlackieranlage spart Lösemittel
Gezielt auf die Kante
Bei Türkanten mit einer großen Formenvielfalt wird der Lack nicht mit Walzen, sondern über die Spritzlackierung aufgetragen. In der industriellen Lackierung geht dabei einiges an Lack daneben, verschmutzt die Türblattoberfläche und muss aufwändig mit Lösemittel abgewaschen werden. Jeld-Wen, ein bedeutender Zulieferer von Innentüren, begab sich mit Venjakob auf die Suche nach einer umweltfreundlicheren Lösung, die zugleich Kosten einsparen sollte. Das Ergebnis: 15 bis 20t weniger Reinigungsverdünnung pro Jahr.
 Alltag bei Jeld-Wen in der Türenlackierung: Viele individuelle Funktionstüren mit einer großen Vielfalt an Kantenprofilen
Alltag bei Jeld-Wen in der Türenlackierung: Viele individuelle Funktionstüren mit einer großen Vielfalt an KantenprofilenBild: Jeld-Wen Deutschland GmbH & Co.KG

Jeld-Wen Door Solutions gehört zur amerikanischen Jeld-Wen-Gruppe, dem weltweit größten Anbieter von Türen und Fenstern. An den zwei deutschen Produktionsstandorten in Mittweida und Oettingen sowie dem Vertriebsstandort Hamburg wird unter Einsatz modernster Technologien und gut 900 hoch motivierten Mitarbeitern ein breites Spektrum an Türen und Türzargen gefertigt.

Im Werk Oettingen sollten die vorhandenen Kantenspritzautomaten durch eine neue, die Umwelt schonende und kostensparende Möglichkeit ersetzt werden. Einfach oder Doppelfalz, Kita- oder Normalkante – die Produktion individueller Funktionstüren mit scheinbar unendlicher Variationsbreite, stellt den Türenhersteller immer mal wieder vor Herausforderungen. Insbesondere dann, wenn es um Verbesserungen im Sinne einer umweltgerechteren Produktion gehen soll. Im Gegensatz zum Handwerk, wo die Türblattoberflächen vor dem Spritzlackieren der Kanten abgeklebt werden, nimmt man es bei der industriellen Spritzlackierung in Kauf, dass der Lack auch daneben geht. „Bisher war es so, dass die durch den Lack verschmutzen Türblätter abgewaschen wurden. Damit das schnell genug vonstatten geht, kommen sehr aktive Lösemittel zum Einsatz, die schließlich stark verdünnt in der Abluft landen“, schildert Markus Uhl, Leiter Abteilung Oberfläche in Oettingen, die Ausgangsituation.

 Das Schabloniersystem schützt die Türblätter vor Lackspritzer
Das Schabloniersystem schützt die Türblätter vor LackspritzerBild: Jeld-Ven Deutschland GmbH & Co.KG

Umweltgerechte Lösung gesucht

Zunächst wurde nach einer Lösung gesucht, die Lösemittel aus der Abluft herauszufiltern. Doch für den Einsatz einer Abluftreinigungsanlage war die Konzentration der Lösemittel in der Abluft zu gering. „Wir hätten einen gasbetriebenen Brenner einsetzen müssen, was Hunderte von Kilogramm zusätzliches Kohlenstoffdioxid verursacht. Das machte den Einsatz einer Nachverbrennungsanlage unsinnig“, erläutert Werkleiter Wolfgang Oswald. Schließlich wandte man sich an den ostwestfälischen Maschinenbauer Venjakob. „Wir wollten nicht so schnell aufgeben und suchten daher den Austausch mit uns bekannten und vertrauten Spezialisten in der Oberflächenbehandlung. Mit Venjakob ist es gelungen, aus einer Idee einen Prototyp und daraus eine präzise arbeitende, automatische, CNC-gesteuerte Kantenspritzanlage zu entwickeln. Die Türblätter bleiben durch ein schützendes Schabloniersystem sauber und der nachträgliche Reinigungsprozess entfällt, was neben dem neuen Kantenlack auf Wasserbasis die größte Ersparnis an Lösemittel bringt“, führt Projektleiter Stefan Randi von Jeld-Wen aus. Die zwei Kantenspritzautomaten, die bisher im Einsatz waren, wurden gegen die neue Anlage getauscht. Die nun überflüssigen Wascheinheiten konnten demontiert werden.

Schablonierung im Zehntel-Toleranzbereich

Die Kantenspritzlackieranlage ist modular aufgebaut und beschichtet die verschiedenen Kanten beidseitig im Durchlauf. Die Längskantenprofile können scharfkantig oder wie bei der Kita-Kante mit einem Radius zur Türfläche versehen sein. Die Anlage besteht aus einem Spritzlackiersystem, einem Schabloniersystem und einem Absaugsystem. Sie wurde als autark arbeitendes System in die bestehende Gesamtlackierlinie integriert. Für die Lackierung unterschiedlicher Kantenprofile und Türstärken werden die Türen am Einlauf erfasst, identifiziert und das entsprechende Rezept vollautomatisch aus der Steuerung abgerufen. Direkt am Einlauf der Kantenspritzlackierkabine gibt es eine zusätzliche Werkstückerkennung, die die Tür genau vermisst und den korrekten Abstand zur nachfolgenden Tür sichert. Die Abmessungen dienen der Feineinstellung – damit wird die Höheneinstellung des Schabloniersystems vorgenommen und schützt die Aggregate vor Beschädigung durch falsch zugeführte Werkstücke. „Das Schabloniersystem wird mit einer hohen Genauigkeit zum Werkstück eingestellt, denn bei der Türenproduktion treten häufiger geringfügige Abweichungen auf, z. B. in der Dicke oder in der Form. Wir arbeiten hier bei der Schablonierung im Zehntel-Toleranzbereich. Das ist schon ziemlich präzise“, sagt Oliver Milde, Kundenbetreuer bei Venjakob.

 Sie legten alles daran, eine umweltfreundliche Lösung zu finden.
Das Jeld-Wen-Team v. l.: Wolfgang Oswald, Werkleiter; Stefan Randi, Projektleiter, Markus Uhl, Leiter Abt. Oberfläche.
Sie legten alles daran, eine umweltfreundliche Lösung zu finden. Das Jeld-Wen-Team v. l.: Wolfgang Oswald, Werkleiter; Stefan Randi, Projektleiter, Markus Uhl, Leiter Abt. Oberfläche.Bild: Jeld-Wen Deutschland GmbH & Co.KG

Neuer Wasserlack vorher geprüft

Das vom Kunden gewünschte Lacksystem der Firma Hesse für die Lackierung der Türlängskanten wurde vorher im Venjakob-Technikum in Versuchsreihen geprüft und das Ergebnis vom Kunden abgenommen. Der Wasserlack wird in zwei Durchläufen aufgetragen, wobei die Auftragsmengen passend zur jeweiligen Holzart programmabhängig variiert werden. Nach dem ersten Lackiergang gehen die Werkstücke in die Trocknung und den Zwischenschliff. Es folgt ein erneuter Lackierdurchgang und danach die Endtrocknung.

Herausforderung bei der Vertragsgestaltung

Da der Oettinger Türenhersteller zu einem amerikanischen Konzern gehört, hat dies entsprechende Auswirkungen auf die Vertragsgestaltung. Es musste ein Vertrag entwickelt werden, der sowohl das angelsächsische als auch das europäische Recht berücksichtigt. „Für alle Beteiligten ist das eine große Herausforderung. Solch ein Vertragswerk ist weitaus umfangreicher und unsere Kunden sind dankbar, wenn wir sie hier unterstützen können“ sagt Oliver Milde. Bei Venjakob habe man sich bereits auf zukünftige Herausforderungen im Vertragsrecht eingestellt und entsprechend juristische Kompetenz aufgebaut. „Wenn man bedenkt, dass innerhalb dieses Projektes die technische Definition und die Vertragsgestaltung gleich viel Zeit in Anspruch genommen haben, bekommt man eine Vorstellung davon, wohin zukünftig die Reise geht. Wir gehen davon aus, dass dieser Service bald noch mehr nachgefragt wird“, betont Oliver Milde.

Venjakob Maschinenbau GmbH & Co. KG
http://www.venjakob.de

Das könnte Sie auch interessieren

Bild: Schiffer & Sams GmbH & Co KG
Bild: Schiffer & Sams GmbH & Co KG
Das Gesamtkonzept zählt

Das Gesamtkonzept zählt

Die Paul Ott GmbH im österreichischen Lambach hat sich zwar ganz und gar dem Thema Kantenleimen verschrieben. Aber jeder weiß dort, dass es nicht vorteilhaft ist, diesen Arbeitsschritt isoliert zu betrachten. Die eine Lösung zum Bekanten gibt es nicht. Wichtig ist das Gesamtkonzept und vor allem der hohe Anspruch an Qualität und Flexibilität. Für Einzelmaschinen ebenso wie für Komplettanlagen gilt: Losgröße 1 muss genauso realisierbar sein wie die serielle Fertigung im Mehrschichtbetrieb. Alles ist möglich bei Bekantungsanlagen: von kompakt bis hoch automatisiert.

Bild: Institut für Werkzeugmaschinen, Universität Stuttgart
Bild: Institut für Werkzeugmaschinen, Universität Stuttgart
Trends für die Holzbearbeitung 2021

Trends für die Holzbearbeitung 2021

Anlässlich zum Digitalevent Ligna.Innovation Network (Ligna.IN) wurde vom Institut für Werkzeugmaschinen (IfW) der Universität Stuttgart eine Marktübersicht über CNC-Bearbeitungszentren erstellt. Die Studie enthält neben den technischen Neuerungen und Entwicklungen ein mehrseitiges Tabellenwerk mit den wichtigsten technischen Daten der momentan am Markt angebotenen Maschinen. In Diagrammen und Tabellen werden die Ergebnisse der Datenerhebung graphisch dargestellt und Trends erörtert.

Bild: Homag Group
Bild: Homag Group
8. Runde 
für den Champion

8. Runde für den Champion

WoodWOP (seit 1991) ist die erste werkstückorientierte Programmierlösung in der Holzbranche. Vorlagen mit Basiskonturen, wie hier zu sehen, machen die Programmierung von neuen Werkstücken um einiges einfacher. - Bild: Homag Group Seit dem Start wird WoodWOP in...

Bild: Kündig GmbH
Bild: Kündig GmbH
Meister jeder Disziplin

Meister jeder Disziplin

Mit der Kündig Technic-Perform-6 ist praktisch jede Bearbeitung vollautomatisiert und mit Losgröße 1 möglich. - Bild: Kündig GmbH Neben Industrieanlagen und Sonderanwendungen sind es in den letzten Jahren vermehrt auch Tischlereien, die beim Schleifmaschinenhersteller...

Bild: Leitz GmbH & Co. KG Werkzeugfabrik
Bild: Leitz GmbH & Co. KG Werkzeugfabrik
Bearbeitungskonzepte 
für erfolgreiche 
Möbelproduktion

Bearbeitungskonzepte für erfolgreiche Möbelproduktion

Küchen und Möbel haben sich verstärkt vom Gebrauchs- und Funktionsgegenstand hin zu Lifestyle-Objekten entwickelt. Entsprechend nimmt der Qualitätsanspruch an Material, Verarbeitungsgüte, Gebrauchswert und Optik immer mehr zu. Für produzierende Betriebe ist die daraus resultierende wachsende Materialvielfalt mit anspruchsvollen Oberflächen, Beschichtungen und Strukturen im Wesentlichen ausschlaggebend für die hohen Anforderungen an die eingesetzten Produktionstechnologien in der Durchlauftechnik. Vor allem mit Blick auf die Bearbeitungskosten sehen sich Produzenten gezwungen, ihre Fertigungsprozesse flexibel und effizient zu gestalten. Innovative Prozesse und langlebige Werkzeuge erweisen sich dabei als Garant für eine erfolgreiche Möbelproduktion.

Bild: ROEQ
Bild: ROEQ
Gesteigerte Nutzlast und Hebefähigkeiten von autonomen mobilen Robotern: ROEQ präsentiert zwei neue Produkte

Gesteigerte Nutzlast und Hebefähigkeiten von autonomen mobilen Robotern: ROEQ präsentiert zwei neue Produkte

ROEQ, der weltweit führende Anbieter von mobilen Roboterausrüstungen (MRE), hat zwei neue Aufsatzmodule mit dazugehörigem Zubehör auf den Markt gebracht. Diese erhöhen die Nutzlast und die Hebefähigkeiten der autonomen mobilen Roboter (AMR) des Branchenführers Mobile Industrial Robots (MiR) wesentlich. Dank des neuen ROEQ TMS-C1500 kann der AMR MiR1350 erstmals Traglasten von bis zu 1500 kg transportieren.

Anzeige