Ob alleine oder zu zweit

Bild 1 Habisreutinger Rollen nah
Kreuzlinienlaser und Laufrollen am Lasttisch des EZK 20 erleichtern das Positionieren und reduzieren den Kraftaufwand beim Verschieben schwerer Türpakete. – Bild: Hubtex Maschinenbau GmbH & Co. KG

Induktiv oder mechanisch: Wie ein Hochregalstapler oder eine Kommissionierplattform durch schmale Gänge kommt, hängt von vielen Faktoren ab. Der Holzhändler Habisreutinger aus Weingarten bei Ravensburg kennt sie aus eigener Erfahrung. Rund neun Jahre arbeitete der Betrieb mit einer schienengeführten Elektro-Zweiseiten-Kommissionierplattform von Hubtex, bis er 2025 in einen Nachfolger investierte – induktionsgeführt und ebenfalls von Hubtex. Sowohl der neue Typ EZK 20 als auch der Vorgänger dienen dem Picken von Türen und Zargen sowie dem Ein- und Auslagern von bis zu 1.250 Kilogramm schweren Paletten.

Drei 68 Meter lange Gänge

Auf 5.900 Quadratmetern Fläche habe man einen neuen Lagerbereich für Türen gebaut, berichtet Jochen Berger, der beim Unternehmen die Logistik leitet. Kapazität dieser Fläche: Fast 3.000 Palettenstellplätze. War die schienengeführte Plattform noch in einem einzigen, 250 Meter langen Gang unterwegs, bewegt sich der EZK 20 zwischen drei jeweils 68 Meter langen Gängen hin und her. Zusätzlich befahren Handhubwagen und Seitenstapler diese Gänge. Sie entnehmen Ware auf der untersten der sechs Ebenen. Berger weiß, warum: „Bei der mechanischen Führung ist die unterste Ebene wegen der Schienen nur eingeschränkt nutzbar.“

Induktivdraht im Boden

Anders der Induktivdraht: 390 Meter lang, verschwindet er mittig in den Gängen unsichtbar im Hallenboden. Zwei auf der Plattform installierte Hochfrequenzantennen orten diesen Draht. Nähert sich die Plattform dem gewünschten Gang, aktiviert das die Funktion ‚Leitdrahtsuche‘. Daraufhin erkennen die Antennen den Induktivdraht, und das Fahrzeug richtet die Räder automatisch auf Längs- bzw. Gangeinfahrt aus. Je eine Kamera pro Fahrtrichtung und ein Flachbildschirm unter dem Schutzdach erlauben es dem Bediener, den Fahrweg zu sehen.

Ein- und Auslagern in acht Metern Höhe

Bei Habisreutinger bedient der EZK 20 die oberen fünf Lagerebenen. Das Ein- und Auslagern findet in bis zu 8.250 Millimetern Höhe statt. Aufnahme der Lieferpaletten und Abgabe der fertig kommissionierten Paletten erfolgen an Übergabeplätzen am Anfang der Regalanlage. Die eigens für Habisreutinger gebaute Maschine lässt sich mit zwei Bedienständen sowie im Ein- oder Zwei-Mann-Betrieb bewegen.

Bild 3 Habisreutinger Induktiv
Der im Hallenboden verlegte Induktionsdraht unterstützt den EZK 20 bei der automatischen Gangeinfahrt, während Kameras und Bildschirm dem Bediener jederzeit freie Sicht auf den Fahrweg ermöglichen. – Bild: Hubtex Maschinenbau GmbH & Co. KG

Voraussetzung: Ein-Mann-Betrieb

Ein- und Auslagern der Paletten mit Türen oder Zargen übernimmt ein Mitarbeiter mit dem EZK 20. Ebenfalls alleine bewältigen lassen sich kleinere Kommissionierungen mit bis zu zehn leichteren Türen. „Das Kommissionieren von Türen durch einen einzigen Mitarbeiter war die Voraussetzung für den Kauf einer mobilen Plattform“, erinnert sich Maximilian Habisreutinger. Er leitet das Unternehmen gemeinsam mit seinem Cousin Felix bereits in sechster Generation. Dafür verfügt der Lasttisch mittig auf der Hubplattform über Teleskopzinken – beidseitig um 2.950 Millimeter ausfahrbar. So lassen sich die Paletten rechts und links in die Regale absetzen.

Maßgeschneidert dank Zusammenarbeit

Dass Hubtex diesen Sonderwunsch erfüllen konnte, war einer der Gründe, warum sich Habisreutinger für den Hersteller entschied. „Die Hubtex-Entwickler haben sich bei uns vor Ort über die Praxis informiert und auf dieser Basis Lösungen erarbeitet“, sagt Habisreutinger. Das finale Konzept habe man so gemeinsam festgelegt. „Im Projekt haben wir jede Anforderung bewertet und zusammen an Lösungen gearbeitet“, weiß auch Kris Haas. Und der Hubtex-Niederlassungsleiter Süd-West ergänzt: „Während der Abnahme haben wir dann die letzten Details umgesetzt. Das Ergebnis ist eine maßgeschneiderte Lösung.“

900 Millimeter vertikaler Nutzhub

Der Lasttisch sitzt auf einer verstärkten Hubschere mit einem vertikalen Nutzhub von 900 Millimetern. Das verringert die Verlusthöhe beim Einlagern in den oberen Regalfächern, und es verbessert die Ergonomie. Gleiches gilt für die am Lasttisch angebrachten Kreuzlinienlaser. Deren Lichtführung erleichtert beim Ein- und Auslagern das Positionieren der Teleskopzinken in der richtigen Regalhöhe. Zwei zusätzliche Linienlaser unterstützen beim Finden der besten Hubhöhe beim rechts- oder linksseitigen Kommissionieren.

Aufziehschranke mit Laufrollen

Hat die Plattform die passende Position erreicht, können die in Einzelkartons verpackten Türen vom Regal auf den Lasttisch verschoben werden. Das gelingt mit wenig Kraft – dank einer besonderen Bauweise. Denn der EZK 20 verfügt auf beiden Seiten über eine von oben absenkbare Hubaufziehschranke, an deren Oberseite drei Laufrollen angebracht sind. Beim Verschieben der bis zu 90 Kilogramm schweren Türen auf den Kommissionierstapel laufen die Pakete sanft über diese Rollen. So verringern sie den Widerstand deutlich.

Bild 6 Habisreutinger Ergonomie
Die durchgängige Totmann-Fußmatte und die Klappsitze an beiden Bedienständen der EZK 20 sorgen für Komfort und unterstützen ermüdungsfreies Arbeiten im täglichen Einsatz. – Bild: Hubtex Maschinenbau GmbH & Co. KG

Totmann-Fußmatte für Bequemlichkeit

Für bequeme, sichere Arbeit sorgen weitere Details: Beide Bedienstände verfügen über einen rückseitigen Klappsitz, zudem ist der Boden der Plattform mit einer Totmannfußmatte ausgestattet. „Anders als beim Totmannschalter des Vorgängers, entstehen durch diese Matte keine störenden Druckstellen am Fuß“, erklärt Lagerleiter Max Kalenik. Er legt viel Wert auf die ermüdungsfreie Arbeit seines Teams. Fünf Mitarbeiter hat Habisreutinger für die Arbeit mit dem EZK 20 geschult, im Einsatz ist sie werktags von sechs bis 19 Uhr. „Wir bearbeiten täglich 120 bis 150 Kommissionen mit bis 330 bis 380 Picks“, ergänzt Berger. Da mache sich jede Erleichterung eines Prozessschritts bemerkbar.

Personenschutz und Sicherheitskonzept

Zusätzlich ausgestattet ist der EZK 20 mit einer Personenschutzanlage mit Laserscannern auf beiden Seiten. Erkennt die Plattform damit ein Hindernis, bremst sie automatisch. Erst wenn der Gefahrenbereich frei ist, ist eine Weiterfahrt möglich. Zum Sicherheitskonzept gehören weiter die drei Betriebsarten Kommissionieren, Ein- und Auslagern am Regal sowie Auslagern am Übergabeplatz – für jede müssen je eigene Voraussetzungen erfüllt sein. Die Ein-Mann-Bedienung beim Ein- und Auslagern etwa erfordert eine geschlossene Pendelschranke am Bedienstand A, während sich die Hubaufziehschranke oben befinden muss. Anders beim Kommissionieren mit Zwei-Mann-Bedienung: Hier muss diese Schranke unten sein, während die Pendelschranken geöffnet sind.

Retrofitvorgänger zur Unterstützung

Dieses Sicherheitskonzept will Hubtex auch auf das Vorgängermodell übertragen. Derzeit überarbeitet man die neun Jahre alte Plattform und passt sie weitgehend an die Ausstattung des EZK 20 an. Derart aufgefrischt, soll sie den Neuzugang unterstützen und auch bei Wartungsarbeiten ein ausfallsicheres Kommissionieren ermöglichen.