„Kein Kunde muss mit China telefonieren“

Cornelius Oheimb ist überzeugt: Chinesische Maschinen haben technisches Weltniveau erreicht.
Cornelius Oheimb ist überzeugt: Chinesische Maschinen haben technisches Weltniveau erreicht. – Bild: Wehrmann Holzbearbeitungsmaschinen GmbH & Co. KG

Herr Oheimb, Wehrmann kennt die deutsche Holzbearbeitungsbranche schon lange. Nun nehmen Sie mit Quick CNC einen chinesischen Hersteller ins Portfolio. Wie passt das zusammen?

Cornelius Oheimb: Das ist eine berechtigte Frage, die uns auch langjährige Kunden stellen. Die Antwort ist einfach: Wir verkaufen ausschließlich ausgereifte, hochwertige Maschinen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, die unserem hohen Anspruch an Service und Qualität standhalten. Das liegt in unserer DNA, und die geben wir nicht auf, nur weil ein Hersteller aus Fernost kommt. Im Gegenteil: Wir haben Quick CNC gerade deshalb ins Portfolio aufgenommen, weil wir mit diesem Versprechen einen Unterschied machen können. Und wir sind von der chinesischen Technik überzeugt. Davon wollen wir unsere Kunden überzeugen und ihre Vorbehalte abbauen.

Welche Vorbehalte begegnen Ihnen?

Die Fragen ähneln sich: Ist die Qualität langlebig? Bekomme ich schnell Ersatzteile? Was passiert bei technischen Problemen – muss ich dann mit jemandem in Shanghai telefonieren? Gibt es Softwareupdates? Teilweise basieren diese Fragen auf Erfahrungen mit anderen asiatischen Anbietern. Genau da setzen wir an: Unsere Qualitätsprüfung der Quick-CNC-Anlagen gibt uns die Gewissheit, eine hochwertige Lösung anzubieten. Skepsis hängt manchmal von traditionellem Kaufverhalten ab. Aus Kundensicht kann ich das nachvollziehen. Dennoch meine ich, dass fast alle unsere Kunden verstanden haben: Wenn die Qualität stimmt, müssen sie Anlagen aus China als Alternativen berücksichtigen.

Qualität – was bedeutet das für Sie konkret?

Erstens: Jede Maschine durchläuft bei uns in Barntrup eine Kontrolle, bevor sie zum Kunden geht. Wir prüfen Komponenten, Steuerung, Software und Funktionalität. Zweitens haben wir ein großes Ersatzteillager hier in Deutschland – 24 Stunden Reaktionszeit, 12 bis 24 Stunden für Vor-Ort-Service. Das ist unsere Zusage. Drittens: Unsere deutschen Techniker kennen sich gut mit den Maschinen aus. Kein Kunde muss mit China telefonieren – er ruft in Barntrup an.

Vor der Zusammenarbeit mit Quick CNC hat Wehrmann die Fabrik in Jinan besucht. Mit welchen Eindrücken kamen Ihre Mitarbeiter zurück?

Wir waren beeindruckt. Quick CNC ist kein Hinterhofbetrieb, sondern ein modernes Fertigungsunternehmen mit europäischen Maschinenparks und Qualitätsstandards. Der Hersteller arbeitet mit guten CNC-Steuerungen und verwendet hochwertige Komponenten wie HSD-Spindeln oder Becker-Vakuumpumpen. Was uns letztlich überzeugt hat: Man nimmt unser Feedback ernst. Unsere Vorschläge und Anregungen hat die chinesische Technikabteilung übernommen. Das ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

Wenn die Qualität stimmt – wie erklären Sie den Preisunterschied von 30 bis 40 Prozent gegenüber großen Marktbegleitern?

Der Preisunterschied liegt eher bei 50 bis 60 Prozent. Er entsteht nicht durch minderwertige Technik, sondern durch andere Kostenstrukturen. Lohnkosten in China sind niedriger. Die Fertigungstiefe ist höher. Und Quick CNC fertigt viele Komponenten selbst, anstatt sie zuzukaufen. Außerdem sind die Margen anders kalkuliert: Europäische Hersteller haben jahrzehntelang Marken aufgebaut, für die Kunden gerne einen Aufschlag zahlen. Quick CNC muss sich diesen Ruf erst erarbeiten – und kann daher aggressiver kalkulieren. Technisch gesehen, bekommen Sie mit unserer KQ-63E eine 6-Seiten-Bearbeitung, die mit den Maschinen der großen Marken mithält.

Apropos große Marken: Zuletzt waren Sie CEO bei Biesse. Wie hilft Ihnen diese Erfahrung dabei, Quick CNC zu bewerten?

Ich kenne die Ansprüche der Holzbearbeitungsbranche gut. Ebenso mein Team. Wir wissen, worauf es ankommt: Präzision, Wiederholgenauigkeit, Standzeit, Bedienfreundlichkeit. Bei Quick CNC haben wir diese Ansprüche als Maßstab angelegt. Wir würden unseren Namen nicht für ein Produkt hergeben, von dem wir nicht überzeugt sind.

Wie sieht die Servicearchitektur aus? Wie schnell können Sie notfalls reagieren?

Wir haben ein dreistufiges System: Mit telefonischem Support und Fernwartung lassen sich Probleme oft remote lösen. Zudem erfolgt der Ersatzteilversand in 12 bis 24 Stunden aus unserem Lager in Barntrup. Und drittens sind unsere Techniker innerhalb von 48 Stunden vor Ort. Für alle Fälle haben wir eine Hotline. Dafür haben wir die entsprechende Infrastruktur aufgebaut. Unsere Techniker sind geschult, wir haben Diagnosewerkzeuge, und wir stehen in Austausch mit den Ingenieuren in China.

Wie sehen Sie die Marktchancen?

Die Marktchance schätze ich gut ein: Anderswo in Europa läuft Quick CNC bereits erfolgreich. Deutschland ist traditionell skeptischer gegenüber neuen Anbietern, dafür aber auch langfristig loyaler – sofern der Service stimmt. Auf unserem Stand auf der diesjährigen Holz-Handwerk hörten wir von großen Kunden und Möbelherstellern, die chinesische Anlagen als Alternativen prüfen. Noch nicht für Dreischicht-Serienbetriebe, eher für Insellösungen. Unsere Customizing-Bereitschaft macht unser Angebot da attraktiver.

Der Trend in der Branche geht derzeit eher in Richtung Standardisierung. Warum geht Wehrmann den entgegengesetzten Weg?

Unseren hohen Individualisierungsgrad sehen wir als Chance, damit heben wir uns bewusst von Marktbegleitern ab. Mit Quick CNC sind kundenspezifische Anpassungen möglich – trotz höherer Produktionskosten. Der Grund ist einfach: Die Chinesen denken strategisch langfristig. Mehr Flexibilität erleichtert uns den Markeneintritt, weil wir Kunden entgegenkommen. Standardisierung ist später immer noch möglich. Wehrmann und Quick CNC erhöhen so Verkaufschancen trotz rückläufigem Markt. Zusammen mit unserem Service ergibt das eine starke Verbindung. Bei Wettbewerbern ist Service oft Zusatzgeschäft zum Neukauf, bei uns aber seit Jahrzehnten Kerngeschäft.

Zu guter Letzt: Was sagen Sie zögernden Tischlern und Möbelfertigern?

Kommen Sie nach Barntrup. Schauen Sie sich die Maschine live an. Treffen wir uns bei Referenzkunden in der Region. Testen Sie, fragen Sie, sprechen Sie mit unseren Technikern. Wir haben nichts zu verbergen. Wenn Sie dann immer noch zweifeln, verstehe ich das. Aber geben Sie sich die Chance, sich selbst ein Bild zu machen. Und denken Sie daran: Sie kaufen nicht nur eine chinesische Maschine, sondern Sie kaufen Wehrmann-Erfahrung. Das macht den Unterschied.