
Fertighausbauer erarbeiten immer öfter Projekte mit Raummodulen. Das schließt Einfamilienhäuser ebenso ein wie Schulen und Anbauten. Modulares Bauen bringt Effizienz, was die Anforderungen des Markts erfüllt: Wiederkehrende Abläufe beschleunigen Vorhaben und sind obendrein günstig. Hilfreich ist das vor allem bei größeren Bauten. Modulbauweise schafft hier planungssicheren Fortschritt – hoher Vorfertigung im Werk sei Dank. Auch bei Verdichtungen bringt die industrielle Produktion gleichbleibende Qualität und kurze Montagezeiten. Zudem lassen sich die Elemente und Module vielfältig anpassen.
Projekte für die öffentliche Hand
Das junge Unternehmen Mod21 hat sich auf dieses modulare und hybride Bauen spezialisiert. Seit der Gründung 2021 nehmen die Aufträge stetig zu – 2024 verdoppelte sich der Eingang sogar. „Vor allem in Städten wie München oder Stuttgart baut man viel mit Modulen“, sagt Vertriebsleiter Marin Zec. „Uns fragen insbesondere Schulen, Kindergärten und Kasernen an.“ Auch private Investoren fragen an, etwa für Hotels. Das sei jedoch schwierig umsetzen. „Unser Hauptkunde ist daher zurzeit die öffentliche Hand.“

96 Prozent kleinerer CO2-Fußabdruck
Dazu zählt auch die Stadt Reutlingen, die Mod21 mit dem Bau des Kinderhauses Wittum 1 beauftragte – bereits die zweite Kita des Unternehmens für die Region. Auf rund 35,5 mal 18,1 Metern entstand ein 7,50 Meter hoher Holzmodulbau, von Januar bis Juni 2024. Zec fasst zusammen: „In vier Wochen haben wir 38 Module im Werk vorgefertigt und in fünf Tagen vor Ort montiert. Der Ausbau dauerte weitere drei Monate.“ Weil sich die Kita in einer Erdbebenzone befindet, richtete Mod21 Fundament und Konstruktion auf erdbebensicheres Bauen aus. „Mit der nachhaltigen Holzbauweise und den regionalen Werkstoffen konnten wir 96 Prozent CO2 einsparen verglichen mit herkömmlicher Bauweise.“ Das verkleinerte den CO2-Fußabdruck maßgeblich. Für die Vorfertigung der Module setzte das Unternehmen auf Maschinen von Weinmann.
Produktionslinie für Wandelemente
Diese Technik steht nahe des polnischen Torun. Hier betreibt Erbud, zu dem Mod21 gehört, zwei Produktionslinien für die Fertigung von Wand-, Boden- und Deckenelementen. Die Wandlinie beginnt mit einer Abbundanlage samt halbautomatischer Materialzufuhr. Sie setzt sich fort über eine Riegelwerkstation, drei Arbeitstische mit Multifunktionsbrücke, die unter anderem die Brandschutzbeplankung ausführt. Die Dämmung übernimmt vollautomatisch eine Wallteq InsuFill. Zwei weitere Arbeitstische mit Multifunktionsbrücke dienen der Außenbeplankung. Die Linie endet mit einem Aufstelltisch, der die fertigen Elemente in ein achtspuriges Wandlager bringt. Hier durchlaufen sie teils ein Finishing mit Fenstereinbau und Putz. Anschließend gelangen sie über Verteilwagen und Kran in den Ausbau.

Boden- und Deckenelemente vorfertigen
Dagegen besteht die Linie für Boden- und Deckenelemente aus einem Auflegetisch für die Riegelwerkerstellung, Schmetterlingswendetischen, einem weiteren Arbeitstisch sowie einer Multifunktionsbrücke. Sie kann Oben und Unten der Elemente bis zu 4,2 Metern Breite bearbeiten. Zuletzt nimmt ein Kran die Böden auf und bringt sie zur Modulline. Dort setzt er sie auf Wagen und nivelliert sie aus, damit die Module beim Zusammenbau im Lot stehen. Es folgt die Montage der Wand- und Deckenelemente.Koch- und Essbereich
Maschine flexibel an Abläufe angepasst
Weinmann hat die Anlage an die Fertigung von Mod21 angepasst sowie an die Situation vor Ort. Sie bleibt flexibel für Erweiterungen und zusätzliche Module oder Komponenten. Damit löst sie auch die Gründe ein, deretwegen sich Mod21 für den Maschinenbauer entschieden hatte: „Nicht nur ist die Maschinengröße flexibel und die Fertigungslinie maßgeschneidert“, sagt Zec. „Auch Konzept und Qualität der Maschine passen sich an unsere Abläufe an.“ Auch die bestehende Beziehung zu Homag beeinflusste die Entscheidung: „Die schnelle Service in Polen ist wichtig für uns.“

In zwölf Tagen zum fertigen Modul
Projekte wie das Kinderhaus Wittum 1 zeigen: Modulbauweise ist ein schneller, günstiger Ansatz mit zuverlässiger Qualität. „Durchschnittlich sind wir bis zu 70 Prozent zügiger als monolithisches Bauen“, rechnet Zec aus. Die ins Werk verlagerten Fertigungsschritte sowie die einheitlichen Bauprozesse beugen zudem Risiken auf der Baustelle vor und machen die Lieferketten sicherer. Und der Modulbau steigert den Durchsatz, was sich an den Fertigungsstraßen zeigt: Digitale Planungswerkzeuge verbessern die Arbeitsvorbereitung von der Konstruktion bis zum Materialeinsatz. Mit Automatisierung und Robotik greifen alle Prozesse schlüssig ineinander. Und die Linien selbst arbeiten millimetergenau – und mit eingebauter Überwachung auch zuverlässig. „Unsere Wandelemente fertigen wir im 29-Minuten-Takt, bei den Boden- und Deckenelementen sind es 59 Minuten.“ Einschließlich der Elementfertigung sind die Raumzellen nach zwei Tagen fertig. Für den Innenausbau berechnet er weitere zehn Tage. Kurzum: Der Gesamttakt eines fertigen Moduls liegt bei zwölf Tagen.
Quote mit gesundem Raumklima
Jedes fünfte Gebäude in Deutschland ist inzwischen aus Holz. Nicht nur politisch ist diese Quote gewollt, ein wichtiger Schritt sind auch Baurichtlinien. Für Mod21 gehen darum die Vorhaben in der Region Reutlingen weiter – abermals vorgefertigt auf den Weinmann-Linien in Torun. Als Nächstes lässt die Stadt ein Kinder- und Familienzentrum bauen. Und auch im und bei Kleinen kommt der Holzbau gut an: 810 Quadratmeter fasst das Kinderhaus Wittum 1, verteilt auf zwei Etagen. Für die drei Gruppen verfügt die Einrichtung über einen Koch- und Essbereich, mehrere Gruppenräume, einen Bewegungsraum, barrierefreie Sanitärräume sowie Räume für das Personal. „Wir haben dem Bauherrn nicht nur ein langlebiges Gebäude geliefert“, sagt Zec. „Die Kinder verbringen ihre Tage auch in einem gesunden Raumklima.“
















