Wenn Zehntelmillimeter entscheiden

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Peter Sadofsky (Senior Sales Manager bei Hecht), Wolfgang Schneider (Geschäftsführer von Fensterbau Schneider) und Hermann Zaft (Prokurist bei Fensterbau Schneider) – Bild: Hecht AG

In der Fensterfertigung kommt es beim Ablängen von Glasleisten und Sprossen auf hundertprozentige Maßhaltigkeit an. Zwar liefert eine CAD-gestützte Fertigungssoftware genaue Sollwerte. Dennoch sind Maßabweichungen häufig – mal wegen des Quell- und Schwindverhaltens der Profile, mal wegen der Fertigungstoleranzen aus der Vormontage. Schon ein Unterschied von wenigen Zehntelmillimetern kann eine unpassende Gehrung oder offene Fugen verursachen. Hinzu kommen Faktoren aus der Fertigung: kurze Reststücke, wechselnde Profilquerschnitte und unterschiedliche Gehrungswinkel. Sie alle erschweren eine saubere Werkstückspannung und eine wiederholgenaue Schnittführung. Oft sind daher manuelle Nacharbeit oder Korrekturschnitte nötig. Das kostet Zeit und Material.

Digitale Maßübernahme ohne manuelle Eingabe

Ein praxisbewährter Lösungsansatz ist die Ist-Maß-Erfassung am Fensterflügel für die Glasleisten und Sprossen. Das übernehmen elektronische Messsysteme mit einer Schnittstelle zur Maschinensteuerung wie der Funkmessschieber GMF. Die von ihm gemessenen Werte gelangen mittels Funk an die Zuschnittsoftware – ohne manuelle Eingabe. So wird nicht mehr mit rechnerischen Soll-Maßen gearbeitet, sondern mit den realen Maßen des Bauteils. Das wiederum verringert Mess- und Übertragungsfehler auf ±0,1 Millimeter. Und der Zuschnitt wird reproduzierbar, effizienter und genauer.

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Dank servomotorischer Schwenkung lassen sich Schnittwinkel zwischen 22,5°und 135° stufenlos einstellen. – Bild: Hecht AG

Doppelgehrungssägen ohne Umrüstzeiten und Vorrichtungen

Ausgestattet mit elektronischer Achspositionierung und CNC-gesteuerter Winkelverstellung, sind moderne Doppelgehrungssägen imstande, Schnittwinkel zwischen 22,5° und 135° anzufahren. Die Fertiglängen reichen von 30 bis 349 Millimetern in der Kurzteilautomatik und bis zu 3.000 Millimeter im Doppelschnitt. All das ohne Umrüstzeiten und Vorrichtungen. Für die exakte Positionierung und saubere, maßhaltige Schnittflächen sorgen horizontale und vertikale pneumatische Spannelemente sowie profilspezifische Tischauflagen.

Reale Längen vom Werkstück zur Steuerung

Fensterbau Schneider im baden-württembergischen Güglingen setzt bereits zwei Doppelgehrungssägen ein, von denen eine mit einem GMF-Funkmessschieber zur Erfassung der Ist-Maße ausgestattet ist. Die Fensterbausoftware liefert weiterhin die Soll-Maßdaten der Glasleisten. Bei den Sprossen erfasst der Funkmessschieber die realen Längen direkt am Werkstück digital und überträgt sie in die Maschinensteuerung. Von hier übernimmt die Säge die Daten im Automatikmodus. Sie positioniert die Länge der Gehrungswinkel selbständig und führt den Zuschnitt mit hydropneumatischen Vorschüben aus. So lassen sich auch besonders kurze Sprossenstücke von 80 Millimeter sicher zuschneiden – ohne zusätzliche Vorrichtungen.

GMF Funkmessschieber
Der GMF-Funkmessschieber erfasst das Ist-Maß und überträgt es an die Software. – Bild: Hecht AG

Schneller umrüsten bei Profil- und Winkelvariante

Hier vereinen sich mehrere Punkte: Die Ermittlung von Ist-Maßen mit der Servotechnik bei der Einstellung von Gehrungswinkel und Längenmaß sowie die Berechnung hinterlegter Korrekturwerte. Für die Produktion bringt das verringerte Nacharbeit, weil die Zuschnitte passgenau sind. Zudem steigen Wiederholgenauigkeit und Maßkonstanz, wogegen im Serienablauf Zeit und Material gespart werden. Und zuletzt gelingt es, bei Profil- oder Winkelvariante schneller umzurüsten.

Prozessqualität – eine Frage der Maßübertragung

Der Zuschnitt von Glasleisten und Sprossen zeigt: Prozessqualität ist vor allem eine Frage der Maßübertragung. Wo digitale Messsysteme in zuverlässiger Sägetechnik eingebaut sind, sind seltener manuelle Arbeiten nötig. Darüber hinaus gleicht diese Technik Fertigungstoleranzen aus und stabilisiert Prozesse nachhaltig.

Praxistipps

  • Der Funkmessschieber erfasst die Ist-Maße direkt am gefertigten Werkstück
  • Kurzteilautomatik ermöglicht sicheren Zuschnitt kurzer Werkstücke
  • Stufenlose Einstellung aller Winkel durch Servosteuerung
  • Korrekturwerte und Winkel können in der Maschinensoftware hinterlegt werden