
Das Potenzial für mehr Effizienz in der Fertigung liegt oft nicht in den einzelnen Schritten, sondern im Materialfluss dazwischen. Wiederkehrende Transporte, Wartezeiten und manuelle Palettenlogistik können den Ablauf beeinträchtigen. Autonome mobile Roboter können das ändern. Darum setzt der italienische Möbelzulieferer Vibo im Werk in Trissino auf den MiR1200 PalletJack von Mobile Industrial Robots: Er automatisiert den Palettentransport im Betrieb, regelt den Materialfluss und entlastet die Mitarbeiter – ganz ohne Änderungen im Werk.
Handtransport trotz Automatisierung
Seit über 45 Jahren entwickelt und produziert Vibo Einrichtungen und Zubehör für die Möbelindustrie. Holz- und Blechbearbeitung, Druckguss und Drehbearbeitung finden sich ebenso im Unternehmen wie robotergestützte Fertigung. In einer solchen Umgebung hängt die Effizienz nicht nur vom Tempo der einzelnen Schritte ab. Vielmehr müssen alle Prozesse reibungslos zusammenspielen. Früh investierte Vibo daher in Automatisierung: Den ersten Industrieroboter installierte man im Jahr 2000, 2007 folgte eine MES-Anwendung. Später kamen Cobots hinzu, darunter zwei UR20-Cobots von Universal Robots für das Palettieren. Doch trotz hoher Automatisierung blieb der Materialtransport weitgehend manuell. Zunehmend entwickelte er sich zum Engpass.

Der Palettentransport wird zum Engpass
In der Montage mussten die Mitarbeiter volle Paletten zum Lager bringen und leere Paletten zurück an die Arbeitsplätze führen. Zugleich ist das Werk offen ausgelegt: Mitarbeiter und Fahrzeuge nutzen dieselben Wege. Herkömmliche Automatisierung mit eigenen Sicherheitsbereichen hätte diese Flexibilität eingeschränkt, zudem wären Umbauten nötig gewesen. Also transportierten die Mitarbeiter die Paletten mit elektrisch betriebenen Gabelstaplern. Deren Pausen, bedingt durch die Ladezyklen, unterbrachen die Arbeiten regelmäßig. Die Mitarbeiter selbst verbrachten viel Zeit mit wiederkehrenden Aufgaben – zulasten anspruchsvollerer Tätigkeiten. Vibo suchte deshalb einen Ansatz, der den Materialfluss über die gesamte Schicht aufrechterhält, autonom arbeitet, sich sicher an die Umgebung anpasst und ohne größere Eingriffe in das Werk auskommt.
Roboter für dynamischen Einsatzort
Im Jahr 2025 entschied sich das Unternehmen für den MiR1200 PalletJack. Der autonome mobile Roboter transportiert Paletten mit einem Gewicht von bis zu 1.200 Kilogramm und fährt bis zu 1,5 Meter pro Sekunde schnell. Entscheidend war jedoch weniger seine Tragfähigkeit als seine Zuverlässigkeit in dynamischen Umgebungen. Im Vibo-Werk kommen täglich unterschiedliche Palettenformate zum Einsatz – von EUR-Paletten im Format 80×120 Zentimeter bis zu EPAL-Paletten mit 100×120 Zentimetern. Der MiR1200 erkennt sie selbstständig und verarbeitet sowohl Standard- als auch umwickelte Paletten mithilfe KI-gestützter Wahrnehmung. Das beugt Fehlern beim Aufnehmen vor und gestaltet die Transporte zuverlässiger. Ergänzend verfügt der Roboter über eine Batterie mit hoher Kapazität und ein System zum Zwischenladen. Statt längerer Ladeunterbrechungen ermöglichen kurze Ladezyklen eine hohe Verfügbarkeit des Fahrzeugs über den Tag hinweg.
Integration in den laufenden Betrieb
Zum Erfolg des Projekts trägt die nahtlose Integration in die bestehende Umgebung bei. Der MiR1200 arbeitet nicht isoliert, sondern gemeinsam mit Mitarbeitern in bestehenden Montageprozessen. Seine kompakte Bauweise ermöglicht den Einsatz auch in engen Produktionen. Zugleich vereinfachte die manuell nutzbare Deichsel die Inbetriebnahme: Während der Einführung konnte Vibo die Übergabepunkte für die Paletten einrichten und anpassen. Darüber hinaus baute der optionale manuelle Betrieb Berührungsängste ab und erleichterte den Mitarbeitern den Umgang mit dem Roboter. Heute transportiert der MiR1200 PalletJack autonom verschiedene Palettenformate zwischen Montage und Lager. Er erkennt Palettentypen selbstständig und führt vollständige Logistikzyklen aus – vom Abholen leerer Paletten über deren Bereitstellen in der Montage bis zum Abtransport der beladenen Paletten.

Kein Ersatz, sondern Entlastung
Nicht allein die Technologie entscheidet über den Erfolg von Automatisierung, sondern ebenso ihre Akzeptanz im Arbeitsalltag. Auch bei Vibo waren die Mitarbeiter zunächst zurückhaltend. Wenige Wochen später nahmen sie den autonomen Palettenhubwagen jedoch als Unterstützung wahr. Denn indem der Roboter den anstrengenden und eintönigen Transport erledigt, können die Mitarbeiter Arbeiten mit mehr Wertschöpfung übernehmen. Das verbessert auch die Ergonomie am Arbeitsplatz. Bei Vibo ersetzt Automatisierung keine Mitarbeiter, sondern entlastet sie. Ebenso wichtig: die Sicherheit. Da der MiR1200 für den Betrieb in gemeinsam genutzten Bereichen ausgelegt ist, konnte Vibo auf zusätzliche Barrieren verzichten und die offene, flexible Umgebung erhalten.
Stets verfügbarer Materialtransport
Durch die Automatisierung wiederkehrender Palettentransporte konnte Vibo Durchlaufzeiten kürzen und den Materialfluss zwischen Montage und Lager stabilisieren. Zudem bringt der autonome mobile Roboter die nötige Flexibilität im täglichen Betrieb. Und: Da der MiR1200 PalletJack rund um die Uhr eingesetzt werden kann und kurze Zwischenladezyklen längere Ladeunterbrechungen vermeiden, ist der Palettentransport nahezu durchgängig verfügbar. Das beugt Engpässen vor und gestaltet Abläufe gleichmäßiger. Auf dieser Grundlage prüft Vibo inzwischen die Möglichkeit, künftig eine dritte Produktionsschicht einzuführen.
Intralogistik – ein Erfolgsfaktor?
Vibo zeigt: Automatisierung in der Intralogistik ist heute mehr als die Digitalisierung einzelner Transporte. Indem sie Materialflüsse regelt, verringert sie Wartezeiten, stabilisiert Produktionsabläufe und entlastet Mitarbeiter. Dabei muss Automatisierung nicht von neuer Technologie abhängen, wie der MiR1200 PalletJack verdeutlicht. Wichtiger noch ist die passgenaue Integration in bestehende Prozesse.
















