Wo Regal und Stapler zusammenarbeiten

EGGER Gang Bild 1 300dpi
Die Anlage ist durchschnittlich zu 85 Prozent ausgelastet. – Bild: Elvedi GmbH

Mit 22 Werken in elf Ländern zählt Egger zu den weltweit größten Anbietern von Holzwerkstoffen und -veredelungen. Am Stammsitz in St. Johann in Tirol beschäftigt das 1961 gegründete Familienunternehmen über 1.000 Mitarbeiter. Auf dem 250.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände verarbeitet, lagert und kommissioniert Egger verschiedene Holzwerkstoffe für Kunden aus der Möbelindustrie, dem Holzfachhandel und für Baumärkte. Weiterhin zum Sortiment gehören Schichtstoffe, etwa für Laminate.

Nur Sonderlösung geeignet

Für die Lagerung braucht das Unternehmen auf die Produkte zugeschnittene Lagerplätze. So verfügt der Standort St. Johann über 1.200 Palettenstellplätze, die sich für die meisten Werkstoffe eignen. Die Lagerung der Schichtstoffe, die auf 250 Kilogramm schweren Rollen aufgezogen sind, waren jedoch lange eine Herausforderung: Ineffizient, unübersichtlich und daher mit aufwändiger Kommissionierung verbunden. Gefragt war ein neues Schichtstofflager. Allerdings konnten Standardlösungen die besonderen Ansprüche nicht erfüllen. Für den Bau des neuen Lagersystems kam daher nur eine Sonderlösung infrage.

EGGER Stapler Bild 2
Das sonderangefertigte Kragarmregal von Elvedi bietet Egger rund 4.000 Steckplätze für die schweren Schichtstoffrollen. – Bild: Elvedi GmbH

Partner seit vierzig Jahren

Ein erstes Konzept erarbeitete der Egger-Hauptlieferant Linde. Es sicherte insbesondere die übersichtliche Lagerung und damit die Kommissionierung. Um dieses Konzept umzusetzen, benötigte Linde einen Partner, der das passende Regal entwickeln und liefern würde. Daher stellte Egger den Kontakt zwischen Linde und Elvedi her – Elvedi aus dem Schwarzwald statte das Egger-Lager bereits seit den 1980er-Jahren aus. Zu beachten hatte das Unternehmen, neben Stabilität und Tragfähigkeit, vor allem die Kommissionierung der schweren Rollen. Das neue Lager sollte platzsparend und übersichtlich werden. Das Ergebnis des gemeinsamen Projekts: vier Reihen Kragarmregale mit rund 4.000 sondergefertigten, U-förmigen Tragarmen. In diese Tragarme kann der Dorn eines Staplers, ein spezielles Anbaugerät, einfahren und so die Rollen auf den Trägern ablegen. Hinter dem Projekt steckt eine komplexe Ausarbeitung.

Stapler mit Kamera am Dorn

Für die U-förmigen Regalträger mussten die Partner strenge Toleranzen einhalten, damit Stapler, Regal und Bediener reibungslos zusammenspielen können. Um diesen Ablauf zu vereinfachen, ist der Stapler besonders ausgestattet: Eine Kamera am Dorn schafft treffsicheres Einfahren in die Tragarme und damit das schadenfreie Ein- und Auslagern der Rollen. Mit der Man-Up-Kabine, die beim Bedienen auf Höhe des ausgewählten Steckplatzes fährt, bietet dieses System dem Bediener einen Überblick während der Kommissionierung. Die konisch zulaufenden Regalständer des Kragarmregals unterstützen mit ihrer Höhensicht und tragen zu Stabilität bei. Für hohe Tragkraft sorgen der verschraubbare Fußsockel, das Steckbolzensystem der Tragarme und die Kreuzverbände zwischen den Modulen.

EGGER Profil Bild 3
Für die U-förmigen Regalträger müssen strenge Toleranzen eingehalten werden, damit das Zusammenspiel von Stapler, Regal und Bediener funktionieren kann. – Bild: Elvedi GmbH

Musteranlage vorab aufgebaut

Doch nicht nur die Regalanlage ist an diesem Projekt besonders, sondern die gesamte Entwicklung: Um das Zusammenspiel aus Regal und Stapler mit Dorn und Kamera zu testen, baute Elvedi eine Musteranlage bei Egger auf. Dort überprüfte man einerseits die Toleranzen der Tragarme und verfeinerte sie. Und andererseits holte Elvedi die Meinung der Staplerfahrer ein: „Uns war Feedback wichtig,“ sagt Günter Garber, Projektleitung Technische Beratung bei Elvedi. „Letztlich sind es die Staplerfahrer, die täglich mit dem Lagersystem arbeiten und umgehen müssen.“ Wegen der Feinabstimmungen für das Unikat und der geplanten Dauerauslatung von durchschnittlich 85 Prozent war Elvedi auch bei der Montage eingebunden. Damit das Zusammenspiel aus Regal und Stapler einwandfrei funktioniert, mussten dabei die zuvor erprobten Toleranzen streng eingehalten werden. „Seit dem Aufbau der Anlage hatte wir weder Probleme noch Zwischenfälle“, sagt Markus Hautz, Teamleiter des Schichtstofflagers bei Egger. „Und das trotz der hohen Dauerbelastung.“

Inspektion und Wartung aller Regale

„Die Zusammenarbeit mit Linde und Elvedi lief von Anfang an vertrauensvoll und zielorientiert“, fasst Hautz zusammen. Mit der einfachen Bedienung des Schichtstofflagers seien alle zufrieden. „Kaum zu glauben, dass es einmal anders war.“ Durch das erfolgreiche Projekt festigte sich die Zusammenarbeit zwischen Elvedi und Egger weiter. Daher ist der Anbieter mittlerweile nicht nur für die regelmäßige Inspektion der eigenen Regalanlage verantwortlich, sondern auch für die Wartung und Inspektion aller Regalanlagen bei Egger – unabhängig vom Hersteller.