Eine Säge für zwei Gewerke

 Eine maßgeschneiderte Striebig 4D erlaubt eine Ein-Personen-Bedienung trotz unterschiedlicher Plattenformate von 2.800 bis 5.000 Millimetern.
Eine maßgeschneiderte Striebig 4D erlaubt eine Ein-Personen-Bedienung trotz unterschiedlicher Plattenformate von 2.800 bis 5.000 Millimetern. Bild: Striebig AG

Oft vereinen Gemischtbetriebe Schreinerei und Zimmerei unter einem Dach. Je nach Auftrag arbeiten die Bereiche eigenständig oder gemeinsam. Um Maschinen und Kapazitäten effizient einsetzen zu können, nutzen sie Teile des Parks daher meist gewerkeübergreifend. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei der Plattenzuschnitt, denn er ist für beide Bereiche zentral. Ausgestattet mit der Plattenabsenkeinheit PAV und dem programmierbaren Plattenschieber PPS, lassen sich mit einer individuell konfigurierten Striebig 4D sowohl Standardformate aus der Schreinerei bearbeiten als auch Großformate aus der Zimmerei. Eine solche Maschine hat der Luzerner Hersteller kürzlich bei einem Schweizer Gemischtbetrieb installiert. Eine Herausforderung lag in der gewünschten Ein-Personen-Bedienung trotz unterschiedlicher Plattenformate: Die Schreinerei verarbeitet überwiegend Platten mit einer Länge von 2.800 Millimetern, die Zimmerei dagegen Formate von bis zu 5.000 Millimetern.

Ein-Personen-Bedienung für alle Formate

Gemeinsam mit dem Striebig-Team entstand ein maßgeschneiderter Ansatz auf Basis der Striebig 4D. Ausgestattet ist die vertikale Plattensäge mit drei Plattenabsenkvorrichtungen, einem programmierbaren Plattenschieber und der Schnittoptimierungssoftware Expert Cut 4D. Diese Ausstattung ermöglicht eine Ein-Personen-Bedienung im fließenden Plattenzuschnitt. Das hausinterne LAN-Netz verbindet die Säge mit der Arbeitsvorbereitung. So können beide Gewerke auf einen gemeinsamen, digital vernetzten Zuschnitt zugreifen.

PAVStriebig S21
Drei Plattenabsenkeinheiten ermöglichen den ergonomischen Zuschnitt von Platten mit einer Länge von bis zu 5.000 Zentimetern. – Bild: Striebig AG

Vom Zuschnitt bis zum Absenken

Der Wechsel von einer Säge aus den 1970er-Jahren zu einer weitgehend automatisierten war für den Betrieb ein großer Schritt. Zugleich bot er die Chance, den Zuschnitt zu modernisieren und die Zusammenarbeit zwischen Schreinerei und Zimmerei zu verbessern. Ausgangspunkt des dafür nötigen digitalen Datenflusses ist das im Unternehmen eingesetzte CAD-System. Dort plant das Team Möbel, Bauteile und Konstruktionen dreidimensional – einschließlich der erforderlichen Arbeitsschritte. Die daraus erzeugten Stücklistendaten versorgen die Säge und weitere CNC-Maschinen. Vor der Übertragung an die Striebig 4D optimiert Expert Cut 4D die Schnittdaten für den Sägeprozess. Danach gelangen sie an die vertikale Säge. So entsteht ein durchgängiger Prozess von Planung über Schnittoptimierung bis zum fertig zugeschnittenen Werkstück. Im Zusammenspiel von Plattenabsenkvorrichtung und positionierbarem Plattenschieber laufen Plattenaufteilungen weitgehend automatisch ab.

Virtueller Anschlag für Formatvielfalt

Eine Besonderheit der individuell konfigurierten Maschine ist der in die Software integrierte virtuelle Plattenanschlag. Ihn hat Striebig entwickelt, um die unterschiedlichen Anforderungen der beiden Gewerke mit nur einer Säge zu ermöglichen. Üblicherweise besitzt die Striebig 4D rechts einen festen Plattenanschlag, mit dem der Bediener das Material vor dem Sägen positioniert. Bei der Sonderlösung orientiert sich die Position des automatischen Plattenschiebers PPS an der jeweiligen Plattenlänge. So entsteht ein zusätzlicher virtueller Anschlag, den die Software um bis zu 2.000 Millimeter versetzen kann. So kann der Betrieb die Maschine je nach Auftrag wie eine kleinere oder größere Säge nutzen – die kompakten Formate der Schreinerei bearbeitet sie ebenso wirtschaftlich wie die bis zu fünf Meter langen Platten der Zimmerei. In einem Gemischtbetrieb wie diesem erhöht das die Flexibilität und Auslastung des Zuschnitts spürbar.

 Nach dem Programmstart arbeitet die Bedienperson den optimierten Schnittplan selbstständig ab.
Nach dem Programmstart arbeitet die Bedienperson den optimierten Schnittplan selbstständig ab.Bild: Striebig AG

Bauteil und Daten immer zugeordnet

Der Arbeitsablauf an der Striebig 4D ist logisch aufgebaut: Mithilfe geeigneter Handhabungshilfen legt die Bedienperson die Platte auf die Rollen des Sägerahmens und startet das Schnittprogramm. Nun greifen die Zangen der Plattenabsenkvorrichtung das Material an der oberen Kante und halten es sicher fest. Beschichtete Zangen schützen die Plattenoberfläche vor Schäden. Der untere Besäumschnitt und die anschließenden Streifenschnitte laufen automatisch ab. Den Transport auf der Säge sowie die Positionierung der Platte übernimmt der programmierbare Plattenschieber. Den optimierten Schnittplan arbeitet die Bedienperson selbstständig ab. Für jedes zugeschnittene Teil erstellt der integrierte Etikettendrucker ein individuelles Etikett. Das bringt die Bedienperson auf dem Werkstück an und stellt es dann für die Weiterbearbeitung bereit. So bleiben Bauteile und Auftragsdaten während des gesamten Prozesses eindeutig zugeordnet.

Ergonomisch und schnell einsatzbereit

Der hohe Automatisierungsgrad reduziert die körperliche Belastung der Mitarbeiter. Besonders bei großen und schweren Platten ermöglicht das Zusammenspiel der Ausstattung ergonomisches und kraftsparendes Arbeiten. Und auch die Einweisung der Mitarbeiter verläuft unkompliziert: Nach einer Schulung sind die Bediener mit den wesentlichen Bedienabläufen schnell vertraut. Die individuell konfigurierte Striebig 4D bewährt sich täglichen im Betrieb als praxisgerechte Lösung, die zwei Gewerke auf einer Maschine zusammenführt.