Der Sonne hinterher

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Auf dem Dach ist ein kleines Windrad angebracht, das der Stromerzeugung dient – vor allem im Winter. Eine weitere Energiequelle ist die Photovoltaikanlage auf der Wellblechgarage. – Bild: SEW-Eurodrive GmbH & Co KG

Seit seiner Kindheit begeistert sich Olaf Schiwek für die Natur, die Gebäudekonstruktion und den Flugzeugbau. Der schonende und effiziente Ressourceneinsatz liegt dem Lehrer für Geografie und Biologie dabei am Herzen. Warum er nicht Architektur studiert habe? „Dann hätte ich kubisch bauen müssen, und das wollte ich nie“, erklärt er. „Runde Gebäude haben mich schon immer fasziniert.“ Klar, dass auch sein privates Wohnhaus ein Rundbau werden sollte. In der Stadt, wo er mit seiner Partnerin zunächst auf Grundstücksuche ging, stieß er damit auf wenig Begeisterung: Dem Bauamt war die UFO-ähnliche Konstruktion zu abgefahren.

170 überzeugte Einwohner

Das Paar ließ sich jedoch nicht beirren. Zufällig fiel ihnen bei einem Spaziergang in Winterborn ein zu verkaufendes Grundstück auf. Die Ortsgemeinde hat rund 170 Einwohner, die die beiden für ihre Idee gewinnen wollten. Dazu kontaktieren sie den Bürgermeister, der das drehbare Haus auf die Agenda einer Gemeinderatssitzung nahm. „Wir wollten nicht als Spinner abgetan werden, sondern uns mit unserer Idee als Bürger von Winterborn integrieren“, erinnert sich Schiwek. Die Entscheidung, ihnen das Grundstück zu verkaufen und das eigenwillige Projekt zu unterstützen, fiel einstimmig. Groß war dann auch die Hilfsbereitschaft der Ortsansässigen: Ein Landwirt bot beispielsweise seine Scheune an, um die Holzbauelemente vorübergehend unterzustellen.

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Nach der Treppe gelangt man über eine sanft ansteigende Rampe, auf der Holzhackschnitzel
ausgelegt sind, zum Hauseingang. – Bild: SEW-Eurodrive GmbH & Co KG

Von Frühling bis Herbst energetisch autark

Das fertige Haus dreht sich in 24 Stunden einmal um die eigene Achse, mit dem SEW-Eurodrive-Antrieb ist jedoch auch eine Umdrehung in der Stunde möglich. Doch wozu überhaupt ein drehbares Haus? „Wegen des Wohnwerts“, erläutert Schiwek. „Wenn ich frühstücke, kann ich entscheiden, ob ich den Blick zu den Windrädern schweifen lasse oder ob ich lieber auf den begrünten Hang schaue.“ Die Drehung ermöglicht außerdem, die auf dem Dach angebrachten Kollektoren der Sonne nachzuführen und somit Strom zu erzeugen. Der Speicher reicht für einen Tag. Ist er voll, fließt die überschüssige Energie in einen 1.000-Watt-Heizstab zur Heißwasserversorgung für Dusche, Spülmaschine und sonstige Warmwasserverbraucher. „Dadurch sind wir hier von März bis Oktober energetisch autark, dazwischen heizen wir bei Bedarf mit einem Holzofen.“ Jedoch ist die Klimatisierung so durchdacht, dass Schiwek für ca. 130 Quadratmeter Wohnfläche maximal vier Festmeter Holz braucht.

Fünf Quadratmeter versiegelter Boden

Um herauszufinden, wie denn nun sein Haus zu drehen sei, wandte er sich zunächst an eine Metallbaufirma. Von ihr erhielt er den Tipp, ein drehbarer Kran sei von der Konstruktion her ähnlich wie das, was er als Unterbau für sein Haus brauche – denn Kräne beherrschen Kräfte in einer Kugel-Dreh-Verbindung. Schiwek kontaktierte also Wilbert TowerCranes. Der damalige Senior Chef war von der Idee sofort begeistert und sicherte eine bezahlbare Lösung zu: Wilbert stellte das zentrale Bauwerk zur Krafteinleitung ins Kugellager her, die sogenannte Stahlkrone. Dabei kam es auf Präzision bei den Schweißarbeiten an. Den dort eingesetzten Zahnkranz von Liebherr findet man üblicherweise am Flügel einer Windkraftanlage. Der gesamte Unterbau für das drehbare Haus passt auf ein Fundament von etwa fünf Quadratmetern – ein weiterer nachhaltiger Aspekt, um möglichst wenig Boden zu versiegeln.

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Das drehbare Haus hat einen umlaufenden Balkonsteg, unter dem Nistkästen für verschiedene Vogelarten angebracht sind. – Bild: SEW-Eurodrive GmbH & Co KG

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