Schnelle Hilfe im Biomassekraftwerk

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Das neue Antriebsaggregat Hägglunds Duc in der Egger-Halle zur Brennstoffversorgung. – Bild: Egger Holzwerkstoffe GmbH

Die Stadt Brilon im östlichen Sauerland ist nicht nur die waldreichste Stadt des Landes, sie ist auch Sitz des größten Standorts von Egger. Das international tätige Familienunternehmen stellt Holzwerkstoffe her und beschäftigt weltweit über 11.000 Menschen. Jährlich entstehen rund 10,4 Millionen Kubikmeter Holzwerkstoffe und Schnittholz. In Brilon fertigt Egger vor allem Span- und MDF-Platten für die Möbelindustrie und den Fachhandel. Ein zentrales Merkmal des Standorts ist die nachhaltige Energieversorgung. Altholz aus der Produktion wird zerkleinert und im firmeneigenen Biomassekraftwerk als Brennstoff genutzt. Der so erzeugte Dampf wird in Turbinen zur Stromproduktion eingesetzt. Zudem versorgt die dabei entstehende Wärme das Sägewerk und andere Anwendungen. „Der Strombedarf des Werks übersteigt den Jahresverbrauch der Stadt mit ihren rund 25.000 Einwohnern“, sagt Nino Kapsalis, Bereichsleiter Kraftwerk und Instandhaltung. „Durch den hohen Wirkungsgrad von etwa 70 bis 80 Prozent ist unsere Energieversorgung jedoch weitgehend autark.“ Doch Anfang 2025 geriet sie kurzfristig ins Stocken: Eine der beiden Brennstofflinien fiel aus. Rasches Handeln war gefragt.

Ausfall in der Brennstofflinie

Ursache waren zwei kurz aufeinander folgende Pumpenausfälle im Hydraulikaggregat des Einwellenschredders vom Typ Pallmann Dracula, der täglich 300 Tonnen Altholz zerkleinert. Nach dem ersten Defekt wurde die Pumpe ersetzt, doch wenige Tage später fiel auch die zweite aus. „Eine weitere Ersatzpumpe war nicht verfügbar, und die Lieferung aus den USA hätte Wochen gedauert“, erinnert sich Michael Lenz, Teamleiter Mechanik, Kraftwerk und MDF. Was also tun? Das Team um Kapsalis senkte zunächst die Kesselleistung und mietete vorsorglich einen mobilen Hacker, um die Brennstoffzufuhr zu sichern. Das Provisorium war zwar teuer, aber nötig: Während der Ausfallzeit zerkleinerte der mobile Brecher rund 2.200 Tonnen Brennstoff.

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Antriebssystem des Einwellenschredders – Bild: Egger Holzwerkstoffe GmbH

Soforthilfe bei Anruf

Um das Problem schnell zu beheben, nahm Lenz den Kontakt zu Hägglunds bei Bosch Rexroth auf. „Noch am selben Tag erhielten wir einen Rückruf von einem Mitarbeiter, der die Situation mit uns besprach und uns wenig später drei Lösungsvarianten präsentierte“, sagt Lenz. „Von unserem bisherigen Lieferanten kannten wir so etwas nicht.“ Angesichts des hohen Alters der Anlage entschied sich Egger für eine Erneuerung der Antriebsaggregate. Bereits drei Tage später traf ein Leihaggregat von Hägglunds ein, das für einen Plug&Play-Anschluss an die vorhandene Steuerung vorbereitet wurde. Nach kleineren elektrischen Anpassungen vor Ort installierten die Egger-Fachleute das Aggregat gemeinsam mit dem Hägglunds-Field-Service. Fünf Tage nach dem zweiten Pumpenausfall war die Anlage wieder betriebsbereit. „Weil Bosch Rexroth so schnell gehandelt hat, konnten wir den mobilen Hacker rasch zurückgeben und so die Leihgebühren deutlich begrenzen“, sagt Kapsalis.

Verfügbarkeit dank Komplettpaket

Den künftigen Betrieb der beiden Schredder sichert Egger durch zwei neue Aggregate vom Typ Hägglunds DUc ab. Sie übertragen ihr Drehmoment direkt auf die Schredderwelle, arbeiten ohne Getriebe und sind resistent gegen Stoßbelastungen. Auch bei niedrigen Geschwindigkeiten stellt der Direktantrieb das volle Drehmoment bereit. Sollte es zu Materialstau kommen, kann die Drehrichtung umgekehrt werden, um den Rückstau zu beseitigen. Dank der kompakten Bauweise lässt sich der benötigte Volumenstrom von 260 Litern pro Minute mit einer geringeren Baugröße erzeugen.

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v.l.n.r.: Michael Lenz, Nelson Weber, Valentin Loebert und Nino Kapsalis – Bild: Egger Holzwerkstoffe GmbH

Fünf-Jahres-Vertrag schafft Sicherheit

Egger legte bei der Modernisierung Wert auf einfache Technik und gute Ersatzteilverfügbarkeit. „Das neue Aggregat ist nicht nur kompakter, sondern auch viel einfacher aufgebaut, übersichtlich strukturiert und einfacher zu warten“, sagt Lenz. „Für uns bedeutet das: hohe Prozesssicherheit bei planbarer Wartung und optimierter Ersatzteilhaltung.“ Die Verfügbarkeit sichert Egger zusätzlich mit einem Fünf-Jahres-Wartungsvertrag ab. In dieser Zeit prüft der Hägglunds-After-Sales-Service die Anlage und empfiehlt bei Bedarf Wartungsmaßnahmen. Über Sensoren und Steuerungstechnik sind die Aggregate zudem in das Egger-Monitoring-System eingebunden, das über 20.000 Betriebsparameter überwacht. Optional kann Egger auch die digitale Plattform CytroConnect von Bosch Rexroth nutzen, um datenbasierte Services bis zur vorausschauenden Wartung zu nutzen.

Nachhaltig modernisierte Hydraulik

Kapsalis sieht in Bosch Rexroth einen verlässlichen Partner für die nachhaltige Modernisierung der Hydrauliksysteme. Ein Besuch am Hägglunds-Standort in Bochum bestärkte diesen Eindruck: „Sehr gut gefällt uns das Angebot zur internen Schulung an der Maschine zum Thema Fehlersuche.“ In den kommenden beiden Revisionen der Biomassekessel sollen das verbliebene Alt- sowie das Leihaggregat erneuert werden. „Das Leihaggregat kam morgens an, war abends in Betrieb und läuft seither störungsfrei“, berichtet Lenz. „Die nächsten Projekte werden sicher ebenso routiniert ablaufen.“ Und noch ein weiteres Modernisierungsprojekt hat Egger an Bosch Rexroth verteilt: die Erneuerung der Hydraulik der Schubböden, die das zerkleinerte Altholz vom Tagesbunker in den Brennraum fördern. „Der Impuls, bei Hägglunds anzurufen, war genau der richtige“, fasst Kapsalis zusammen.