Roboter programmieren leicht gemacht

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SRCI vereinfacht die Roboterprogrammierung auch für KMUs mittels SPS-Funktionsbausteinen. – Bild: Robert Bürkle GmbH

So vielfältig das Angebot von Bürkle ist – in der Holzbearbeitung hat es der Anlagenbauer aus Freudenstadt häufig mit Herausforderungen durch schwere Werkstücke zu tun. Dazu zählen 180 bis 250 Kilogramm schwere Leichtbauplatten für die Caravan-Industrie. „Da ist es unvermeidlich, Roboter einzubeziehen“, sagt Marian Michels. Seit seinem Abschluss in Elektrotechnik ist er als SPS-Programmierer tätig. Bürkle-Kunden fordern immer häufiger Robotik und Automatisierung. Doch dafür braucht es Fachkräfte, und die sind am Markt kaum erreichbar. Die Lösung: Michels programmiert die Yaskawa-Roboter der Anlage selbst – dank der Schnittstelle SRCI.

Programmierung einfach in der SPS

SRCI steht für Standard Robot Control Interface, und das Konzept ist intuitiv: Dank einer Schnittstelle findet die Programmierung in der SPS statt. Kenntnisse über die Systeme einzelner Roboterhersteller sind also nicht nötig. Die Schnittstelle bietet dafür eine Bibliothek von SPS-Funktionsbausteinen für verschiedene Roboterfunktionen. Die Idee geht zurück auf Siemens: Anfang 2018 hatte das Unternehmen ein Gremium aufgebaut aus Roboterherstellern, Entwicklern und Anwendern. Inzwischen ist SRCI marktreif, und Bürkle verbessert seine Systeme nun anhand eines digitalen Zwillings. Dieses virtuelle Abbild erlaubt es den Konstrukteuren, einfach und zeitsparend zu programmieren.

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In der Holzbearbeitung haben es Bürkle-Anlagen mit schweren Platten zu tun. Yaskawa-Roboter bewegen sie mühelos. – Bild: Robert Bürkle GmbH

Schnelle virtuelle Inbetriebnahme

Der erste Härtetest für den digitalen Zwilling war die virtuelle Inbetriebnahme einer Anlage. Dazu musste der Roboter in das SPS-Programm integriert sein – einschließlich Tests der richtigen Funktionsweise und Arbeitsbereiche. Bürkle installierte in der Anlage den Handling-Roboter Motoman GP225 mit einer Traglast bis 225 Kilogramm und maximalem Arbeitsbereich bis 2.702 Millimeter. „SRCI war ein unschätzbarer Vorteil“, erinnert sich Michels. Denn der Programmierer konnte in seiner gewohnten Umgebung arbeiten und die Inbetriebnahme schnell abschließen. Trotz der Herstellerunabhängigkeit bleiben in der Anlage die Bewegungssteuerung und die Bahngenauigkeit erhalten. Derzeit unterstützt das Programm die multiachs- und multitaskingfähige Motoman-YRC1000-Steuerung und die Kompaktsteuerung YRC100Micro für Roboter bis zwölf Kilogramm.

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Bürkle verbaut den 6-Achs-Roboter Motoman GP225, programmierbar über SRCI. – Bild: Robert Bürkle GmbH

Geeignet auch für kleinere Unternehmen

Gerade in kleinen Unternehmen spielt die Schnittstelle ihre Stärken aus. Denn zwar werden Roboter im Anlagenbau immer wichtiger. Die Inbetriebnahme von Robotern gehört hier jedoch nicht zum Alltag. „Die Schnittstelle ist einfach und daher ein schneller Weg, Roboter einzusetzen“, erklärt Michels. Auch einige Kollegen konnte er von SRCI überzeugen: Er gibt Schulungen und erklärt die Arbeit mit der Schnittstelle im eigenen Haus. Überzeugend finden diese Kollegen die überschaubare Einlernzeit. Die Programmierung mit SRCI fällt bei Bürkle so leicht, dass nach den ersten Schritten mit zwei Robotern nun bereits fünf in der Produktionshalle stehen. „Wir können guten Gewissens auch schwierigere Anwendungen anbieten“, sagt der Programmierer.

 Die Zusammenarbeit zwischen Yaskawa und Robert Bürkle reicht lange zurück.
Die Zusammenarbeit zwischen Yaskawa und Robert Bürkle reicht lange zurück.Bild: Robert Bürkle GmbH

Softwareschnittstelle für größere OEMs

Könnte SRCI künftig also die Industrie in großem Umfang bereichern? Michels ist sicher: Der Schlüssel dafür sind die Integration von Robotern in die bestehenden Umgebungen für SPS und HMI, der geringe Programmieraufwand und die einfache virtuelle Inbetriebnahme. Doch das ist keine Ablöse anderer Programmiermöglichkeiten. So bietet Yaskawa seit 2015 mit MotoLogix eine Softwareschnittstelle an zum Lernen und Programmieren von Robotern unter Einsatz von SPS-Funktionsbausteinen. Vor allem größere OEMs bauen auf diesen Ansatz, die mehr Zeit und Knowhow für die Roboterprogrammierung haben. Und auch Bürkle setzte bereits auf MotoLogix.