Chefredakteur Dr.-Ing. Michael Hobohm
Amerikanisch würfeln

Es war mal wieder Nobelpreis-Zeit. Genauer: die der Wirtschaftswissenschaften. Erhalten haben ihn in diesem Jahr die US-Ökonomen William Nordhaus und Paul Romer, die für ihre Arbeiten zum Klimawandel und zur Bedeutung technologischer Innovationen für die Wirtschaftsentwicklung ausgezeichnet wurden. Dabei hätte die Dramaturgie nicht stimmiger sein können: Während der Weltklimarat morgens noch vor den eklatanten Folgen des Klimawandels gewarnt hatte, kürte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften Nordhaus wenige Stunden später zum Träger des diesjährigen Preises – einen Umweltökonomen, dessen Arbeiten die Prognosen ebenjenes Weltklimarates mit fundieren.


Dem Komitee ist mit der Verleihung ein starkes Zeichen gelungen. Auf sie abzielend oder nicht: Die US-amerikanische Politik darf sich angesprochen fühlen. Deutsche Politiker jedenfalls reagierten auf beide Ereignisse mit den üblichen Meidbewegungen. Forderten die einen das verstärkte Engagement im Umweltschutz, etwa zur Reduzierung der CO2-Emissionen von Neuwagen, bremsten höchste Stellen entsprechende Gespräche der EU-Umweltminister in Brüssel aus. Nicht wehtun, der Heiligen Kuh Automobilindustrie, so das Motto. Dass solches Handeln auf lange Sicht kontraproduktiv ist, liegt auf der Hand. Aktuell zeigt dies bereits Diesel & Dust: In die Städte mit Fahrverbot wird sich demnächst auch Berlin einreihen. Das Treffen der EU-Umweltminister in Brüssel endete mit der Absicht, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 35 Prozent zu reduzieren. Ein Kompromissvorschlag Österreichs, der gefeiert wurde. Der als Vogel-Strauß-Taktik aber zu kurz springt.


Aufgeschreckt jedenfalls haben die Prognosen des Weltklimarats viele. Im Ergebnis jahrelanger Arbeit hatten schließlich 840 Wissenschaftler aus 38 Ländern Fakten und Entwicklungen abgeleitet, über die sich die Fachleute einig sind: Der Mensch ist für 95 Prozent der globalen Erwärmung verantwortlich. Die Alarmglocken schrillen und müssten die Politik auf internationaler und nationaler Bühne wachrütteln. Immerhin lautet das Fazit von Klimaschutzszenarien, die der Rat erstmals entwickelte und die von einer starken Emissionsreduktion ausgehen: Der Einsatz würde sich lohnen, die globale Erwärmung um unter zwei Grad ließe sich noch stoppen.


Von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften hieß es dann noch zu Nordhaus und Romer, sie hätten Modelle entwickelt, „die erklären, wie die Marktökonomie mit Natur und Wissen interagiert“. Nordhaus habe sich etwa mit der Frage beschäftigt, wie wirtschaftliches Wachstum mit einem effizienten, schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen zu kombinieren sei. Das zugehörige Modell taufte der Amerikaner auf DICE – Dynamic Integrated Climate-Economy Modell, was in seiner Sprache auch Würfelspiel heißt. „Weil wir mit unserer Zukunft zocken“, begründete er einst. Romer wiederum gab sich bei Bekanntgabe der Preisverleihung zuversichtlich: „Es ist für die Menschheit möglich, weniger CO2 zu produzieren und trotzdem unseren Lebensstandard zu verbessern. Sobald wir damit anfangen würden, wären wir überrascht, wie einfach und wenig schmerzhaft es ist.“

Ihr

Michael Hobohm

 

Editorial aus HOB 10.2018:

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