Bild: Dauphin
Solidworks kann beides: Design und Funktion

Bei der Dauphin Entwicklungs- und Beteiligungs GmbH in Hersbruck werden Stühle integriert entwickelt. Design und Konstruktion führt das Personal auf nur einem CAD-System aus: Solidworks. Vor rund 15 Jahren von DPS Software geliefert, wird das System seither intensiv vom Stuttgarter Softwarehaus betreut.


Hinsetzen ist oft einfach. Aber wie kommt man nach ein, zwei oder drei Stunden wieder hoch? Knarzen die Gelenke? Schmerzt der Rücken? Gibt es gar Taubheitsgefühle? Wenn ja, war der Stuhl vielleicht nicht ergonomisch. Deshalb versuchen hiesige Stühlehersteller, ihre Produkte immer weiter zu verbessern, damit sie auch bei langer Nutzung nicht an Ergonomie und Funktionalität einbüßen.

 

Rahmen für integrierte Entwicklung


Einer dieser Hersteller ist die Dauphin Gruppe mit Hauptsitz im mittelfränkischen Offenhausen bei Hersbruck. Dauphin gilt seit Jahrzehnten als einer der Marktführer bei Bürostühlen. Erfolgsfaktor dafür ist die Integration von Design/Ergonomie und Technik. Als Unternehmensberater für den englischen Hersteller Evertaut analysierte der Gründer Friedrich-Wilhelm Dauphin in den 60er Jahren den deutschen Markt auf das Potenzial für dessen Bürostühle. Weil er, im Gegensatz zu seinem Auftraggeber, vom Erfolg in Deutschland überzeugt war, kaufte der damals knapp Dreißigjährige 1968 die deutsche Niederlassung und wagte mit Import, Montage und Vertrieb der englischen Bürostühle den Sprung in die Selbstständigkeit. Anfangs zog der gelernte Kaufmann mit Koffer und Stuhl durchs Land, um seine Produkte zu verkaufen. Der erste Großauftrag kam dann 1971 von der Regierung Nordrhein-Westfalen, die für die Oberfinanzdirektionen und Oberlandesgerichte über 25000 Stühle orderte. Ein weiterer Meilenstein war 1973 die Verlegung des Unternehmens nach Offenhausen bei Hersbruck. In den Folgejahren baute Dauphin eine eigene Wertschöpfungskette auf und stieß eine Reihe von Entwicklungen an: Für jeden Menschen den passenden Stuhl. Schon damals spielte die Ergonomie eine besondere Rolle. 1992 erfolgte die Gründung der Dachgesellschaft Dauphin Office Interiors und das Unternehmen erweiterte sich durch Zukäufe. Herauszuheben sind zudem der Erwerb von Bosse Design (Raum-in-Raum-Lösungen, Tragrohrmöbelsysteme) sowie Züco (Lounge- und Konferenzmöbel) in der Schweiz. „Ganz sicher darf auch die Gründung der e+b, der Dauphin Entwicklungs- und Beteiligungs- GmbH, als ein Meilenstein für das Unternehmen bezeichnet werden“, sagt Dr. Jochen Ihring, Sprecher der Geschäftsführung der Dauphin Human Design Group. „Damit war der Rahmen geschaffen für eine umfassende integrierte Entwicklung. Heute ist Dauphin mit 23 Vertriebs- und Produktionsgesellschaften weltweit tätig. Rund 750 Mitarbeiter stellen circa 2000 Stühle pro Tag her.“

 

Umfassende Prozesskette


Die Integration des Designs in die Gesamtentwicklung ist also für Dauphin ein wesentlicher Faktor. Doch woher kommen die Designs? „Rund 70 Prozent aller Produkte werden hier im Haus gestaltet, 30 Prozent kaufen wir bei externen Designern ein“, berichtet Entwicklungsleiter Frank Weisser, zu dessen Bereich auch das Design gehört. Im Anschluss geht es weiter zur Konstruktion und Berechnung, wo die Funktionalität der Stühle genau ausgearbeitet und – wie etwa bei Fußkreuzen – berechnet wird. Danach findet die Herstellung der Prototypen statt, wofür ein Dreiachsbearbeitungszentrum, ein 3-D-Drucker oder auch eine eigene Polsterei Anwendung finden. Abgerundet wird das Engineering schließlich von einem Prüffeld, in dem Stühle umfassenden, TÜV-abgestimmten Belastungstests unterzogen werden. Etwaige Mängel entlang dieser Prozesskette werden sämtlichst an die Konstruktion zurückgespielt und dort behoben. Wie viele CAD-Systeme man für all das braucht? Genau eins: Bei Dauphin ist es seit 15 Jahren Solidworks.

 

Der Weg zum System


„Ich hatte Solidworks schon bei einer früheren Arbeit kennen- und schätzen gelernt“, erzählt Weisser. „Als ich dann bei Dauphin anfing und feststellte, dass man hier noch mit Autocad und Mechanical Desktop arbeitete, schlug ich die flächendeckende Einführung von Solidworks vor.“ Dieser Vorschlag wurde wohlwollend aufgenommen, zuerst aber wurden noch Alternativen geprüft. Diese Prüfung führte aber zum gleichen Ergebnis: Solidworks wurde eingestuft als System für die Zukunft. Dafür brachte es entscheidende Funktionalitäten wie die Erzeugung hochwertiger Freiformflächen mit, sonst wäre ein Einsatz im Design nicht möglich gewesen. So sind in Solidworks nicht nur die Differenzierung von Volumen und Oberflächenmodellen und die Prüfung von Kontinuitätsbedingungen möglich, es lassen sich auch regel- und splinebasierte Flächen erzeugen, Hybridmodellierungen ausführen, importierte Geometrien diagnostizieren und reparieren sowie Geometrien analysieren und Flächenübergänge optimieren.


Neben diesen integrierten Funktionen wird von der Designabteilung auch Solidworks Visualize genutzt. Dieses System – früher als Bunkspeed bekannt – bietet eine Suite eigenständiger Softwarewerkzeuge, die diverse Darstellungsmöglichkeiten mit visuellen, konstruktionsorientierten Funktionen und Arbeitsabläufen kombinieren und so eine einfache, schnelle Erstellung visueller Inhalte ermöglichen. Mit Visualize ist es möglich, Bilder direkt aus dem CAD-System zu rendern und in Szene zu setzen. Wird eine Konstruktion geändert, reichen wenige Klicks, um vorhandene Bilder zu aktualisieren, womit diese automatisch in den Marketingmaterialien geändert werden können. Dank der Datendurchgängigkeit aller Solidworks-Produkte sind auch diese Visualisierungsmöglichkeiten im Fluss der Gesamtlösung.

 

Berechnen und simulieren


Sind die Designer fertig, erfolgt die Übergabe des Projektes in die Konstruktion. „Eine Datenkonvertierung ist hierbei nicht nötig, der Konstrukteur öffnet einfach das Modell und arbeitet daran weiter.“ So entstehen alle technischen Funktionalitäten, die ein Stuhl braucht. Funktionen dafür sind in Solidworks reichlich vorhanden. Ohnehin sei das System leicht erlernbar, schätzt Weisser ein: „Wer ein Office-Paket beherrscht, kommt schnell in die Systematik von Solidworks hinein und kann damit in wenigen Tagen umgehen.“ Auch die in die Konstruktion integrierte Berechnung sei kein Brief mit sieben Siegeln. Die in Solidworks Premium enthaltenen Berechnungs- und Simulationsmöglichkeiten reichen aus, um die Anforderungen bei e+b zu erfüllen. Gelegentliche Nachprüfungen durch externe Büros mit anderen Programmen zeigen geringe Abweichungen von vier bis fünf Prozent. Außerdem korrelieren die Ergebnisse aus der Konstruktionsabteilung gut mit denen aus dem Prüffeld. „Eine echte ,Bauchlandung' haben wir noch nicht erlebt“, so Weisser.

 

Zeichnungen und Dokumente sicher verwalten


Ist die Geometrie berechnet und simuliert, kann sie an die Fertigung übergeben werden, um die Prototypen zu produzieren. Hierfür gibt es unter anderem einen CAM-Arbeitsplatz nahe der Werkstatt, bestückt mit Solidcam. Auch dieses System des gleichnamigen Herstellers ist vollständig in Solidworks integriert, weshalb eine Datenübertragung nicht nötig ist. Der Anwender ruft lediglich die Teile auf und erzeugt unmittelbar die nötigen NC-Bahnen. Dann werden die Teile vom angeschlossenen Bearbeitungszentrum hergestellt. Ein zweiter Weg führt über einen 3-D-Drucker, wo Kunststoffteile im Fusionsverfahren entstehen. Über Düsen wird der Kunststoff hier schichtweise aufgetragen; die nötigen STL-Daten entstehen ebenfalls via Solidworks.


Sind alle Teile beieinander, kann der Stuhl – gegebenenfalls ergänzt durch Polsterteile – montiert und begutachtet werden. „Wir entscheiden selten nach Pixeln, sondern nach realen Eindrücken", betont Weisser. Entlang der Prozesskette wird die Arbeit der Hersbrucker Ingenieure durch Solidworks PDM unterstützt. Mit diesem PDM-System werden im Wesentlichen die Zeichnungs-, Modell- und Dokumentationsverwaltung umgesetzt. Installiert hat e+b mittlerweile elf CAD-Lizenzen, elf PDM-Lizenzen, eine Solidcam-Lizenz und einen PDM-Viewer Bundle.

 

Durchgängigkeit sichergestellt


„Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Systemen gemacht. Die Durchgängigkeit der Daten ist sichergestellt“, betont Weisser. „Wir können die Daten rauf und runter nutzen, ohne über eine Schnittstelle gehen zu müssen.“ Was ihn und seine Kollegen freut, ist „die reibungslose Durchgängigkeit beim Gestalten, Berechnen, Fertigen und Verwalten. Und das alles mit einer Software hier im Haus, darin sehe ich die Stärke.“ Ebenso zufrieden ist der Entwicklungsleiter mit der Betreuung durch DPS: „Wir haben seit Langem ein sehr gutes Verhältnis und haben uns stets gut betreut gefühlt. Alle Herausforderungen, die auf uns zukamen, konnten wir gemeinsam bewältigen.“ Gute Voraussetzungen also, um auch in Zukunft besondere Stuhlkreationen zu erschaffen.

www.dps-software.de
http://www.dauphin-eb.de/

 

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