Wo Schreinerträume wahr werden

Das Versprechen der Tischlerei H. Lömker aus Espelkamp klingt anspruchsvoll: "Wir gestalten Ihr Zuhause nach Ihren persönlichen und individuellen Wünschen und setzen Ihre Projekte mit höchsten Ansprüchen in Qualität und Design um. Mit Holz, dem schönsten Naturstoff dieser Welt," so Markus Harig Geschäftsführer von Lömker. Um dieses Versprechen in die Realität umzusetzen, investierte Lömker in den 'Schreinertraum' der Maschinen-Grupp GmbH. Die Anlage mit dem verheißungsvollen Namen kombiniert das CNC-Bearbeitungszentrum x400 von SCM mit der CNC-Nesting-Software MultiCenter-Studio des Softwarepartners CAD Line. HOB war in Espelkamp vor Ort, um sich selbst von der Verwirklichung der Schreinerträume zu überzeugen.
 Küche im englischen Landhausstil, für die Marke Robinson & Cornish gefertigt
Küche im englischen Landhausstil, für die Marke Robinson & Cornish gefertigtBild: Heinrich Lömker GmbH

Planung ist die halbe Miete

Nach dem rechnerbasierten Entwurf der Möbel werden bei Lömker die Teiledaten aus dem Möbelkonstruktionsprogramm direkt vom MultiCenter-Studio eingelesen. Mit der Software von CAD Line kann der Benutzer per Knopfdruck eine Stückliste erstellen, die sich bei Bedarf noch manuell bearbeiten lässt. Anschließend wählt er das Rohmaterial aus, legt die Verschachtelungsoptionen fest und startet die Optimierung, die neben den Fräsvorgängen auch vertikale und horizontale Bohrungen einschließt. Dafür berechnet und platziert die Nesting-Software bei der Plattenaufteilung Aussparungen für Taschen-Fräsungen, die das horizontale Ansetzen des Werkzeugs an den Formkanten ermöglichen. Somit liegt der Clou des ‚Schreinertraums‘ in der durchgängig automatisierten Ausfertigung fünfseitig bearbeiteter Möbel- und Innenausbauteile aus einer Rohplatte.

Einmalige Definition der Bearbeitungsparameter reicht

 Die 5-Achs-CNC erledigt mit einem spitzen Fräser jetzt das Ausspitzen der Ecken
Die 5-Achs-CNC erledigt mit einem spitzen Fräser jetzt das Ausspitzen der EckenBild: TeDo Verlag GmbH

Bei der individuellen Konfiguration der CNC-Software brauchen nur einmal alle materialbezogenen Bearbeitungsdaten, beispielsweise zu genutzten Fräsköpfen, Abständen oder Vorschubgeschwindigkeiten hinterlegt werden. In Folgeprojekten berücksichtigt die Software dieses „Expertenwissen“ dann bei der Berechnung der Bearbeitungsdaten automatisch. Soll ein neuer Arbeitsauftrag für die Maschine generiert werden, lassen sich dafür ein oder mehrere Aufträge oder gleich ein ganzes Auftragsverzeichnis anwählen. Ebenso können auch – etwa zur Nachfertigung von Teilen – einzelne Positionen manuell entfernt oder hinzugefügt werden. Die Software erzeugt aus den zusammengestellten Aufträgen einen gesamten Arbeitsauftrag, der auch mehrere Platten aus unterschiedlichen Materialen umfassen kann. Die Aufträge lassen sich direkt am Terminal der CNC Maschine aufrufen.

Jetzt fliegen Späne

 Markus Harig, Geschäftsführender Gesellschafter Heinrich Lömker GmbH
Markus Harig, Geschäftsführender Gesellschafter Heinrich Lömker GmbHBild: Heinrich Lömker GmbH

Die Platten werden in der angezeigten Reihenfolge auf die Maschine aufgelegt und die Bearbeitung gestartet. Im ersten Schritt erfolgt das Ausfräsen der Taschen und die Einbringung der Horizontalbohrungen. Da die vorbearbeiteten Teile in diesem Schritt noch fest mit der Platte verbunden sind, können sie sich beim Bohren nicht verschieben. Zudem wird der Ausschnitt mit dem Fräser in zwei Durchgängen ausgeführt: Beim Konturausfräsen wird das Material zunächst bis auf einen Millimeter abgetragen, sodass die miteinander verbundenen Werkstücke während der Bearbeitung fest auf dem Vakuumtisch liegen. Im zweiten Arbeitsschritt werden dann die Teile fertig ausgeschnitten und danach vom Portal der CNC schrittweise auf den Entnahmetisch abgeschoben. Der Bediener druckt am Bedienterminal Etikettenstreifen für die jeweils zu entnehmenden Teile aus, beklebt diese in der vorgegebenen Reihenfolge und stapelt sie dann z.B. in Rechenwagen ab. „Für uns entspannt sich damit der Zuschnitt und die Bearbeitung total“, erklärt Markus Harig, Geschäftsführer von Lömker. „Früher haben wir die Teile auf zwei Sägen zugeschnitten und danach auf einer CNC-Maschine bearbeitet. Das war sehr arbeitsintensiv und hat zudem in der Halle viel Platz belegt. Da alle Teile ab jetzt eindeutig mit einem Etikett gekennzeichnet sind, sparen wir uns das lästige Suchen und Identifizieren der Teile.“

Ausspitzen übernimmt die CNC

Außerdem hat die CNC-Maschine die Mitarbeiter von Lömker noch von einem anderen aufwendigen Arbeitsschritt entlastet, wie Harig schildert: „Wir fertigen unter anderem spezielle Küchenteile mit großen Innenausschnitten, in die Profilleisten eingeklebt werden. Dazu mussten wir in der Vergangenheit die runden Ecken mit dem Stecheisen ausspitzen. Das hat pro Küche schnell einen ganzen Arbeitstag in Anspruch genommen.“ Um diese Bearbeitung gleich in einem Durchgang auf der CNC zu erledigen, hat sich der Geschäftsführer für eine 5-Achs-Variante entschieden. Ein spitzer Fräser sorgt jetzt für das Ausspitzen in den Ecken, sodass die Teile fertig von der Maschine kommen. „Mit dem Schreinertraum haben wir uns in eine neue Liga hochgearbeitet“ resümiert Harig. „Wir können jetzt mit unseren Mitarbeitern deutlich mehr produzieren und haben zugleich den Hektik-Faktor deutlich reduziert. Damit fühlen wir uns für die Zukunft bestens gerüstet.“

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